Freitag, 21. Februar 2020

Denkzettel Nr. 1 von Maike Knifka

Die Geschichte der Biomechanik - oder ist die Biomechanik Geschichte? 

Der Ansatz der Biomechanik ist, die Bewegungsvorgänge des lebenden Körpers zu erklären und berechenbar zu machen. Der Begriff Biomechanik ist eine Wortkreuzung. Zugrunde liegt hier die einfache Annahme, aus der Gleichung "Mechanik = Die Lehre von der Bewegung von (festen) Körpern" durch den Zusatz „Bio“ = Leben", die Gleichung "Biomechanik = Die Lehre von lebenden Körpern" aufstellen zu können. 

Rein optisch betrachtet ist es natürlich verlockend, Gliedmaßen, Hälse, Becken, etc. als Hebel anzusehen, oder Pferderücken als Brücken. So ging es im 17. Jahrhundert vermutlich auch Borelli [1]. Zu mal es in dieser Zeit wohl modern war, technischen Fortschritt zu symbolisieren und sich beispielsweise Körper als Maschinen vorzustellen. Das ist lange her. Sieht man sich die Historie der Mechanik an und die definierten Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um die Gesetzmäßigkeiten der Mechanik sinnvoll anwenden zu können, wird klar, dass hier in Bezug auf den lebenden Körper falsche Annahmen getroffen wurden: In der Biomechanik geht man aber auch heute noch davon aus, dass Muskeln über Knochen, die als Hebel fungieren, Drehmomente in Gelenken erzeugen und darüber Kraft bzw. Bewegung übertragen. 

Dienstag, 18. Februar 2020

Die Klippen V - Biomechanik fühlen lernen




Biomechanik? Funktionelle Anatomie!

Anatomie beschreibt, was ist
Funktionelle Anatomie beschreibt die Anatomie in Bewegung, die Interaktionen ihrer Teile und ihre Reaktionen auf Bewegung und Belastung.
Biomechanik versucht, die funktionelle Anatomie mit den Begriffen der klassischen bzw. technischen Mechanik zu beschreiben. 
Biomechanisch begründete Bewegungslehren schaffen mechanistische Bewegungsbilder.
Mechanistisches Bewegungsbilder beschränken die Bewegungsmöglichkeiten eines Lebewesens auf einen Bruchteil seines Bewegungspotenzials.
Die Beschränkung der Bewegungsvielfalt in Verbindung mit mechanistischen Bewegungsideen führt zu pathogenen Bewegungsmustern.
Aus pathogenen Bewegungsmustern entwickeln sich Pathologien.
...

Wissenschaft

Wissenschaft schafft Wissen.
Wissen schafft man durch genaue Beobachtung dessen, was ist, durch die genaue Beobachtung von Mustern und wiederkehrenden Ereignissen.
Die ständige Wiederholung der Interpretationen früherer Beobachtungen ist keine Wissenschaft.
Wenn die Realität der Theorie widerspricht, stimmt natürlich etwas nicht mit der Realität.
Beobachtungen mit statistischer Signifikanz:
- Fußung
- Atmung
- Bemuskelung
- Schwebephase

Biotensegrity ist eine Wissenschaft

Dienstag, 11. Februar 2020

Die Klippen IV - Die alles verändernde Therapie

Endlich ist sie da - die Therapie, die alle Probleme löst! Es gibt sie in jeder Preislage, passend zu jedem Problem...

Die Klippen III - Die neue Reitweise

Es ist naheliegend, sich einen neuen Trainer oder eine neue Schule zu suchen, wenn das Ergebnis der bisherigen Arbeit zu wünschen übrig lässt, denn irgendwie müssen die bisher angewandten Techniken und Methoden ja etwas mit dem Ergebnis zu tun haben. Zumindest trifft das dann zu, wenn man sich an alle Anweisungen gehalten, die entsprechende Literatur verschlungen, an sich selbst gearbeitet und hingebungsvoll geübt hat.

Die Klippen II - Interpretationen dessen, was ist

Betrachten wir, was wir sehen:
In 99% aller Fälle, das ist mein Erfahrungswert, wird spätestens auf dem Videostandbild vom Moment des Abfußens im Trab deutlich, dass die Reinheit des Ganges und sein räumliches wie zeitliches Gleichmaß nicht existieren. Sollte man die Fußung nicht genau erkennen können, hilft es, statt dessen den Fesselstand zu betrachten. Je stärker die Fußung verschoben ist, um so stärker unterscheiden sich dessen Winkel vorne und hinten.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Die Klippen I - Die alten Meister

Was macht es so schwierig, einem Pferd gerecht zu werden?
(Aus Übersichtsgründen nehmen wir mal nur ein Pferd. Und man könnte ebenso einen Menschen oder gar sich selbst an dessen Stelle setzen.)

In den letzten zwanzig Jahren habe ich reiterlich viele Klippen umschifft, und eine der größten war, im Nachhinein betrachtet, die der "Interpretationen der Schriften der alten Meister". Nennen wir sie Klippe I oder Kap der guten Hoffnung II.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Biotensegrity and tension

A living body is a biotensegrity and thus a unit formed from tensile and compressive forces. Anyone who has already had one or the other tensegrity model in his or her hands knows that there can be great differences in the materials and the preload.

This is where the tedious discussion about tension/stress usually comes up, whereby this term is strongly polarizing and has either a positive or negative connotation. Looking at it value-free, one can say that relaxation has its place in recovery phases and (pre)tension in physical activity.

The system as a whole always maintains a certain basic tension, but a constant tension is a waste of energy, emotionally and physically stressful, and in the sense of healthy movement rarely leads to desirable results.

Biotensegrity und Spannung

Ein lebender Körper ist eine Biotensegrität und diese ist, ihrem Namen nach, eine aus Zug- und Druckkräften gebildete Einheit. Wer bereits das eine oder andere Modell in der Hand gehabt hat weiß, dass es große Unterschiede in den Materialien und der Vorspannung geben kann.

Hier kommt dann meistens die leidige Diskussion um Spannung auf, wobei dieser Begriff stark polarisiert und entweder positiv oder negativ besetzt ist. Wertfrei betrachtet kann man sagen, dass Entspannung in Erholungsphasen ihren Platz hat und (Vor)Spannung in der körperlichen Aktivität.

Das System als Ganzes wahrt immer eine gewisse Grundspannung, eine ständige Überspannung ist Energieverschwendung, emotional und physisch belastend und im Sinne gesunder Bewegung selten zielführend.

Dienstag, 28. Januar 2020

Biotensegrity Pioneers und Visionaires*

Die Vision:
Die Gründung einer Gemeinschaft, die dem Austausch zum Thema Biotensegrität dient, mit einer Plattform, auf der sich alle sinnvoll vernetzen, Fragen stellen und Thesen posten können. 
Eine Gemeinschaft, in der Praktiker und Theoretiker, Wissenschaftler und Laien eine gemeinsame Sprache finden, die alle Bereiche dessen, was Biotensegrität bedeutet, darstellen kann.

Eine Gemeinschaft, die "Verständnis, Akzeptanz und Bewusstsein schaffen kann für Biotensegrität als Potenzial, als allem Leben zugrunde liegende Struktur und Bauweise, als innewohnende Idee im platonischen Sinne, als Prämisse für weiterführende Annahmen, als Alternative zum Erklärungsmodell der Biomechanik, als physiologische Reaktionsweise auf die Umwelt, als Bewegungsidee und Behandlungsgrundlage." **

Montag, 27. Januar 2020

Biotensegrity, Language and Languages

Sometimes I think that only the intensive study of a topic in a language other than the mother tongue makes certain differentiations possible.

In Ghent 2018, I had misunderstood Joanne Avison when we were discussing the correct terminology regarding biotensegrity. This was mainly due to the constant overestimation of my language skills by her and the other participants. No one believes me that I am far from the linguistic perception of a native speaker. :D


Biotensegrity, Sprache und Sprachen

Manchmal denke ich, dass erst die intensive Beschäftigung mit einem Thema in einer anderen als der Muttersprache bestimmte Differenzierungen möglich macht.

In Gent 2018 hatte ich Joanne Avison missverstanden, als wir uns über die korrekte Terminologie in Bezug auf Biotensegrität unterhielten. Dies war in erster Linie auf die ständige Überschätzung meiner Sprachkenntnisse zurückzuführen. Es glaubt mir einfach niemand, dass ich weit weg von der sprachlichen Auffassungsgabe eines native speaker's bin. :D

(Lustig, dass das Übersetzungsprogramm jetzt das Wort biotensegrality erfunden hat. :D )

Freitag, 10. Januar 2020

Biotensegrity - Die Zauberbrille - am 4.-5. April 2020

Das Basisseminar über Biotensegrität als schlüssiges Erklärungsmodell für die Gesetze gesunder Bewegung bei Tier und Mensch. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum das Wissen über Biotensegrität so wertvoll ist und wofür es gut ist. Zu der Theorie kommen die Arbeit mit den Modellen (Tensegrität zum Anfassen), das Erspüren der Strukturen im eigenen Körper und das Wiederfinden in sich bewegenden Pferden....

Das Seminar findet in 21406 Melbeck statt, die Anmeldung mit genauerer Ausschreibung findet sich hier.


Biotensegrity Pioneers am 8.-9. Februar 2020

Wir brauchen Pioniere!
    Menschen, die so tief in die Materie eintauchen, dass sie in der Lage sind, Fragen zu stellen.
Wir brauchen keine neuen Reitweisen und Therapien, sondern mehr und mehr Fragensteller, die alle Theorien und Erklärungen durch die Zauberbrille Biotensegrität betrachten und mit ihren Fragen möglichst viele Menschen aus ihrer (Biomechanik-)Komfortzone holen.
  Diese Pioniere finden sich in allen Bereichen rund ums Pferd ebenso wie unter Tänzern, Humantherapeuten, Philosophen, Sportlern…
    Die Wochenenden für die Biotensegrity Pioneers finden in privater Atmosphäre mit maximal sechs TeilnehmerInnen statt.
  Im Anschluss an eine umfassende Einführung in die Materie, mit Modellen, Übungen und anatomischen Vergleichen, öffnet sich der Raum für aktive Erkenntnisprozesse und freies Selbst-Denken, für „Gedanken provozierende Gespräche“ (AB) und neue Fragen.

„Wahrheit ist nicht ein zu erlernender Inhalt,
sondern das Resultat einer höchst persönlichen Anstrengung.“ 
Andre Bartoniczek


Den englischen Begriff "Biotensegrity Pioneers" habe ich gewählt, weil es zum Einen schwierig ist, eine gute Entsprechung in der deutschen Sprache zu finden und zum Anderen, weil er die Vernetzung mit den englischsprachigen Gruppen vereinfacht.

Die Fortsetzung findet sich bei den Biotensegrity Visionaires



(c) Maren Diehl 2020