Sonntag, 21. Oktober 2018

BIG - Biotensegrity Interest Group 2018

Wow! In der letzten Woche war ich in Gent (Belgien, erkennt man an den Straßenlampen an der Autobahn und dem Brot, das noch schlimmer ist als das englische) beim Treffen der BIG, der Gruppe der an Biotensegrity Interessierten in Europa. Stephen Levin, der Vater der Biotensegrität (www.biotensegrity.com) war dort, angereist aus den USA, Danièle Claude Martin, meine erste Begegnung mit explodierenden Tensegritymodellen, habe ich wiedergetroffen und Graham Scarr (www.tensegrityinbiology.co.uk), dessen Buch über Biotensegrity ich jedem unverdrossen empfehle, habe ich nun auch endlich kennengelernt.
 
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer kann ich hier nicht vorstellen - zumindest nicht sofort -, aber es haben sich viele Kontakte zu wunderbaren Menschen ergeben, die ich pflegen werde. Von den hochspannenden Vorträgen schwirrt mir immer noch der Kopf, und einige Erkenntnisse werden sicher in meine Vorträge bei der Gebrauchshaltungskonferenz in drei Wochen einfließen. Hättet ihr gedacht, dass die Finger eines Pianospielers das gleiche Timing haben (sollten) wie es die Beine des Pferdes haben (sollten)? Und bei beiden hört man den Unterschied.
 
Es war ein echtes Erlebnis für mich, diesmal vor Biotensegrity-Profis über Pferde zu sprechen, anstatt wie gewohnt vor Pferdeleuten über Biotensegrität. Mit solch einem begeisterten Publikum und derart zielgenauen Fragen hatte ich nicht gerechnet, mir wurde der Vortrag wahrlich leicht gemacht.
Sogar die Vorhand-Hinterhand-Übung, die ich bei meinen Seminaren immer im Gepäck habe, musste ich vorführen, weil Dr. Levin wissen wollte, wie denn der Umgang des Pferdes mit der "groundreaction force" aussieht. Er war zufrieden ... An dieser Stelle Dank an Joanne Avison (http://www.joanneavison.com/), die als engagierte Hinterhand sehr zum Erfolg der Übung beigetragen hat und mich mit den Videos zu ihrem Vortrag völlig geflasht hat. So schön!

Montag, 27. August 2018

Die LSG-These

Da ich sie selbst in diesem Blog nicht wiederfinde, wiederhole ich meine These zur Rolle des Lumbosakralgelenkes in der Hankenbeugung hier noch einmal:

Ich stelle die These auf, dass sich das LSG für einen optimalen Kraftschluss zwischen Hinterhand und Rumpf des Pferdes unter Last schließen muss.
Das bedeutet, dass eine optimale funktionale Hankenbeugung nur mit geschlossenem LSG möglich ist.
Das Steilstellen des Beckens durch Öffnen des LSG steht der Möglichkeit einer funktionalen Hankenbeugung diametral entgegen.
 
.

Sonntag, 5. August 2018

Referentin Katja Eser

(Pferdeosteopathin, Humanphysiotherapeutin)
über ihre Themen bei der Gebrauchshaltungskonferenz:

Vortrag 1 am Samstag:
Biomechanik und Biotensegrität - ein 'Sowohl-als-auch' oder ein 'Entweder-Oder'?
In meinem Buch "Checkliste Osteopathie Pferd" habe ich u.a. die Details der anatomischen Bau- und Funktionsweise jedes einzelnen Gelenks und der Wirbelsäule dargestellt. Muss ich dieses Buch nun einstampfen, oder lassen sich diese Details mit den neueren Erkenntnissen über Biotensegrität und Faszienbahnen in Einklang bringen?


Vortrag 2 am Sonntag:
Kruppeherein und Travers - Sinn oder Unsinn im Rahmender Pferdeausbildung? Die Seitengänge "Schulterherein" und "Kruppeherein" mit ihren vielfältige Variationen werden als wichtige Bausteine in der klassischen Ausbildung eines Pferdes betrachtet. Unter biotensegralen Gesichtspunkten gehe ich der Nützlichkeit des Kruppehereins auf den Grund: Was sind die Ziele dieser Übung, was passiert im Pferd in dieser Übung?Ist dies mit dem Konzept der Biotensegrität vereinbar und wie lassen sich gegebenenfalls die Ziele auf andere, "pferdigere" Weise erreichen?

In beiden Vorträgen will ich ein paar übliche Bilder und Gedanken über Pferdebewegung ins Wanken bringen und neue Bilder und Gedanken über die gesunde Bewegung und Haltung eines Pferdes ins Universum schicken. Ich freue mich auf die anschließende lebhafte Diskussion!

Referentin Antje Dumrath

(Pferdewirtschaftsmeisterin, Pferdegesundheitstrainerin)
über ihr Thema bei der Gebrauchshaltungskonferenz

"Dafür brennt mein Herz 😊 :
Wie wirkt sich Tensegrität auf die Psyche des Pferdes aus?
Anhand eines Fallbeispiels World Hit ( Wollmaus,Wallach, 29 Jahre alt) lässt sich aufzeigen, wie eklatant positiv die Auswirkungen auf den Ausdruck und die Ausstrahlung eines Pferdes sind, selbst bei einem Pferd im Seniorenalter."

Antjes Herzensthema ist die Wiedererweckung innerer und äußerer Schönheit vor allem bei Pferden, die diese schon verloren hatten.

Freitag, 8. Juni 2018

Nachgedacht

Wenn man, wie ich, das Prinzip "Druck erzeugt Gegendruck" zur Grundlage gemeinsamer Bewegung macht, werden Gebisse nochmals richtig interessant.
Warum?
Die meisten Reiterinnen gehen davon aus, dass das Pferd dem Druck weichen und demnach am Gebiss nachgeben soll. Wenn das Pferd aber nun mit tensegralen Reaktionen Zug mit Zug und Druck mit Druck beantwortet -
Was passiert denn dann?
Das weichende Pferd reagiert auf Widerstand an der Kandare mit Nase zur Brust und Genick runter. Soweit logisch. Das ist aber nicht das, was die Kandare bewirken sollte. Wenn das Pferd Druck mit Gegendruck beantwortet, hebt sich das Genick (der allseits erwünschte höchste Punkt des Pferdes) und die Zunge drückt etwas nach vorne, während der Unterkiefer gegen die Kette drückt.
Mit letzteren Reaktionen sind alle langen Faszienzugbahnen aktiviert!
Ganaschenfreiheit
Damit kommt es auch nicht zu dem Problem, dass das Genick nur durch immer höhere Aufrichtung nach rückwärts der höchste Punkt bleiben kann, während die Ganaschen sich auf dem Unterhals abstützen (was m. E. keinen Deut besser ist als Rollkur). Die Ganaschenfreiheit entsteht demnach ebenfalls durch die aktiven Faszienzugbahnen.
Leichte Zügelführung
Eine sanfte Zügelführung, der das Pferd nur ganz wenig weicht, lässt das Pferd dennoch in die falsche Richtung arbeiten und kollabieren. Weichen bleibt Weichen! Eine sanfte Zügelführung, die das Pferd zu einem ebenso sanften Gegendruck auffordert, wirkt hingegen stärkend auf den ganzen Pferdekörper.
Und weil die Zusammenarbeit bisher so schön war, hier wieder die Erklärungen von Maike Knifka:
So, wie das Pferd durch Stellung, Biegung und Bewegung die Rotationsfähigkeit der Wirbelsäule dazu nutzen kann, Energiespeicherung und Energieentladung in eine tensegrale Aufspannung des Körpers zu transformieren, ist auch eine Anlehnung im Sinne des von Maren beschriebenen Zusammenspiels aus Zug und Gegenzug und Druck und Gegendruck dafür zu nutzen, das myofasziale System positiv unter Spannung zu bringen. Und zwar unabhängig davon, ob eine gebisslose Zäumung verwendet wird, eine Trense, oder ein Hebelgebiss. Eine weichende Reaktion auf die Zügelhilfe verhindert eine tensegrale Aufspannung.
Ein Blick auf die verschiedenen Interpretationen von Anlehnung in der Praxis macht deutlich, dass dem Pferd die positive Aufspannung sehr häufig entweder mit Gewalt oder durch „unterlassene Hilfeleistung“ unmöglich gemacht wird.

Die Verläufe der Faszienzugbahnen geben sehr anschauliche Erklärungen dafür, dass die Anlehnung als „Aufspannungshilfe“
(und nicht als "Falthilfe") zu verstehen ist.

Die oberflächliche Rückenlinie, die an der Hinterseite der Hinterbeine direkt über der Hufkapsel beginnt und ihren Verlauf über die Rückenmuskulatur bis in die Oberhals- und Genickmuskulatur nimmt, geht in der Kiefergelenksregion aus der kleinen Kaumuskulatur (m. temporales) unmittelbar in die Kaumuskulatur des Unterkiefers (M. masseter) über , die bereits zur oberflächlichen Bauchlinie gehört, die wiederum an der Vorderseite der Hinterbeine direkt über der Hufkapsel endet. Durch diese Verbindung sind diese beiden großen oberflächlichen Zugbahnen ununterbrochen miteinander verbunden und kommunizieren hinsichtlich ihrer Spannungsentwicklung miteinander.
An der zentralen „Umschlagstelle“ in der Kiefergelenksregion hat das Pferd bei erhöhtem Spannungsbedarf (beispielsweise geritten werden) durch Anlehnung die Möglichkeit, das Gesamtsystem zu spannen, vorausgesetzt, es findet keine Manipulation in eine Richtung statt. Stellt man sich eine Partnerübung vor, in der man sich auf dem Schwebebalken an den Händen hält und versucht, ein gemeinsames Gleichgewicht zu finden, hat man eine Idee vom Zusammenspiel der langen Faszienzugbahnen und von der Veränderbarkeit von Druck und Zug. Das Bild ist sehr schön, weil mit durch Übung in der Interaktion zunehmendem Können die gegenseitige Einwirkung ebenso angemessener und geschickter wird wie die jeweils eigene Verarbeitung der Reize! Selbst wenn man nicht nach Harmonie strebt, sondern nach maximaler Belastbarkeit (was bedeutet, dass einen die Trainingsreize immer weniger vom Balken hauen), entsteht bei gegenseitigem Einvernehmen im Außen ebenso ein Bild von Harmonie, allerdings mit wesentlich mehr Abenteuer.

Aber nicht nur die oberflächliche Rückenlinie und die oberflächliche Bauchlinie „treffen“ sich in Kiefergelenksregion. Auch die Laterallinien und die Spirallinien, die enormen Einfluss auf die seitliche Balance und die Schiefe des Pferdes haben, reichen bis in die Kaumuskulatur.

Noch spannender ist die Tatsache, dass die tiefe Bauchlinie bis an das Zungenbein heranreicht. Verinnerlicht das Pferd im Laufe seiner Ausbildung fälschlicherweise, mit der Zunge zu weichen (oder diese seitlich herauszudrücken...), fehlt der tiefen Faszienzugbahn das vordere Pendant zur Spannungsentwicklung und Rumpfstabilisation.
Über diese Zusammenhänge kann man sich viele weiterführende interessante Gedanken machen. Und man kann viel Zeit damit verbringen, genau zu beobachten, wie Zug und Druck konstruktiv miteinander wirken - nicht nur am Zügel, sondern ebenso selbstverständlich gegen den Sattel und gegen den Boden sowie im Schwung der Gliedmaßen und der motorischen Massen.

Nachschlag gibt es sicherlich bei der Gebrauchshaltungskonferenz im November. Diese Konferenz ist eine Live-Veranstaltung mit echten Menschen, echtem Austausch und realen Begegnungen. Deshalb ist es für die Planung durch Falada e.V. wichtig, dass die Anmeldungen von denen, die ihre Teilnahme angedroht haben, demnächst mal im Postfach des Vereins eintrudeln.

Dienstag, 29. Mai 2018

Neues vom Scheckenheld

"Meine Trainingspartnerin war sechs Tage fort. Musste daher mit dem Fuchs trainieren. Auf dem Sandplatz. Weil die Koppel zu nass war. Heute endlich war sie wieder da. Bin froh, dass sie wiedergekommen ist.
Ich hatte gut geübt und mir über viele Aspekte unserer Arbeit Gedanken gemacht. Wir waren beide gut drauf und nach zwanzig Minuten hatten wir alle Themen durch. Super gut. Beide total zufrieden. Gab ausnahmsweise sogar Leckerwürfel von oben.
Dann ist mir plötzlich aufgefallen, dass sie doch jetzt nicht schon Feierabend machen will?! Das hat mich so erschreckt, dass ich einen echten Wachmacher hingelegt habe. Hat mir weitere vierzig Minuten Trainingszeit gebracht. Was man kann ist ja langweilig. Mich interessiert mehr so das, was ich nicht kann. Terre a terre und Piaffe zum Beispiel. Geht beides auch rückwärts, was ich motorisch sehr interessant finde. Ist aber unerwünscht."

Mittwoch, 16. Mai 2018

Faszienzugbahnen, Atmung und Bewegung

Es ist ein schwieriger Balanceakt, wichtiges Wissen auch an interessierte Nichttherapeuten zu vermitteln und gleichzeitig in den Beschreibungen genau zu bleiben. Maike Knifka und ich stellen uns der Aufgabe, ihr findet hier ihren Originalvortrag (schwarz), den ich an manchen Stellen zum besseren Verständnis ergänzt oder umformuliert habe. Dazu kommen meine eigenen Erfahrungen zu diesem Thema in roter Schrift. Wo ich mich vor zehn Jahren noch gewundert habe, sind die Zusammenhänge heute klar und erklärbar:

Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Atmung, zwischen Bewegungsqualität und Gesundheit sowohl des Bewegungsapparates als auch der Organe und der Psyche muss mehr Beachtung finden. Und zum Behandeln gehört auch das Training – ein Training, das sich deutlich von dem unterscheiden muss, das zu den Problemen geführt hat.

Montag, 14. Mai 2018

Gebrauchshaltung - Antworten

Da ich sehr oft gefragt werde, "wie es denn sein soll", werde ich anhand einiger aktueller Bilder vom Scheckenhelden erklären, worauf es mir ankommt. Es ist sicher nicht alles "richtig", aber einige für mich wesentliche Punkte kann man bereits erkennen:
 
Bei diesem Foto gefallen mir vor allem der für diese Phase sehr stabile Fesselstand und das adrett geschlossene Lumbosakralgelenk mit dem optisch weichen Übergang zwischen Kreuzbein und Lendenwirbelsäule. Und natürlich das Wetter. Deshalb ist es auch Titelbild auf Facebook geworden.
 
Die nächsten Bilder sind eigentlich "Take Outs", weil wir weder Schulhaltartiges üben noch Levaden oder Terre á terre. Diese Bilder haben sich in meinen Kontrollvideos gefinden und sie "erzählen".
 
Mir gefällt links: Sitz gegen den Hinterfuß. Gleich geht es vorwärts. Hinterhuf unter dem Kniegelenk statt unterm Bauchnabel ermöglicht volle Kraftentfaltung (Will ich das?). Die Hankenbeugung ist als Diskussionsergebnis zu sehen.
 
Unten links: Hankenbeugung, geschlossenes LSG und mein Sitz. Was mir nicht gefällt: Der Weidebauch und die fehlende Präsenz in der Unterlinie, die im ersten und im letzten Foto durchaus zu finden ist.
 
Unten rechts: Terre á terre bis wir uns auf den Galopp geeinigt haben. Das Pferd hat etwas zu viel Energie, aber Körperkontrolle.
 

















Ihr werdet es nicht glauben, aber dieses letzte Bild, das die gefürchtete Einbeinstütze vorne im Galopp zeigt, gefällt mir am besten:

Das Genick ist immer noch der höchste Punkt, die Nase deutlich vor der Senkrechten und der Widerrist nicht wesentlich tiefer als die Kruppe. Knie- und Hüftgelenk sind gebeugt, das LSG neutral und vor allem ist der Fesselstand des Stützbeines optimal. Die Unterlinie ist trotz Weidebauch straff. Nur das Abfußen des rechten Hinterbeines ist leicht verzögert, aber das kriegen wir auch noch hin!
Alle Fotos (c) Maren Diehl


Und hier noch der Link zur Gebrauchshaltungskonferenz im November in Klingenmünster: http://www.falada-ev.org/veranstaltungen.htm

Donnerstag, 10. Mai 2018

Ebenfalls fluffig


Der Scheckenheldpapa in Aktion. Sehr schön zu sehen, dass die Wirbelsäule der Reiterin und das Stützbein des Pferdes beide gleich zeitig senkrecht sind und das Pferd nicht droht, auf die Nase zu fallen, sondern mit dem Körper dem Kopf folgt.















Fotos (c) Maren Diehl

Konsequent

2017






















Manchmal gibt es beim Reitkurs Momente, in denen man sich fragt, was die Reitschülerin seit dem letzten Kurs so getrieben hat. In diesem Fall war beim Pferd nichts mehr zu sehen von ausgeprägter Einbeinstütze des abfußendenVorderbeines im Trab, der falsche Knick war ebenso verschwunden wie die hüpfende Kruppe,die "Mauligkeit" hatte sich deutlich gebessert und das Pferd wirkte physisch wie psychisch ausbalanciert.
Die Antwort auf meine Frage lautete:
"Ich habe Beritt und Reitunterricht eingestellt und das geübt, was du mir beim Kurs 2017 gesagt hast."

Fotos (c) Maren Diehl

Samstag, 21. April 2018

ELi-Therapiezentrum

Jetzt muss ich doch nochmal etwas zum Veranstaltungsort meines letzten Seminars "Flashmob Dresden" schreiben. Nahezu alle Pferde dort wurden vom Schlachter gekauft, zum großen Teil mit gruseligen Befunden. Nach einer vernünftigen Hufbearbeitung und dem Weglassen von allem, was diese Pferde krank gemacht hat, leben sie nun recht vergnügt auf einem großen Paddocktrail und integrieren auch schwierige, weil nie sozialisierte Neuzugänge souverän. Mit wirklich sparsamen Mitteln wurden die Pferde aus ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Notlage geholt und stehen durch die Bank zufrieden da und auch für die Arbeit zur Verfügung. (Wenn dem nicht so wäre, hätte ich im Bus direkt neben dem Paddocktrail sicher nicht so gut geschlafen.)
Diese Zufriedenheit halte ich für eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes (Reha)Training. Dass wir in Sachen Hufbearbeitung einer Meinung sind, soweit sich das in der kürze der Zeit feststellen ließ, ist eine gute Voraussetzung für weitere Zusammenarbeit. Man kann einen Huf nicht perfekt hinstellen, aber eine gute Hufbearbeitung macht für das Pferd eine Tür auf, anstatt es in ungünstigen Bewegungsmustern zu bestätigen oder festzuhalten.

www.eli-therapie.de

Freitag, 20. April 2018

Aha-Effekt durch Hollywoodschaukel

Das Seminar bei Dresden am letzten Wochenende im ELi-Therapiezentrum war super. Hat richtig Freude gemacht, mit tollen Menschen und tollen Pferden. Und mit einer Holzbank-Schaukel.
Um Rumpfstruktur vorzuführen, habe ich mich spontan auf die Schaukel gesetzt (Füße in der Luft, versteht sich) und Friederike aufgefordert, mich an den Händen nach vorne zu ziehen. Die Schaukel hing fast unbeweglich, während ich Friederike zu mir ziehen konnte... Soweit ein toller Vorführeffekt, der die Frage aufwarf "Welche Kampfkunst machst du noch gleich?" *lach*

(c) Maren Diehl
Der diensthabende Trakehner-Mix hat sich als Professor für konstruktive Anwendung des Prinzips "Druck erzeugt Gegendruck und Zug erzeugt Gegenzug" erwiesen. Nachgeben? Never! Aber wenn man genau das auch gar nicht verlangt, geht alles.

Der Lockenwolf war an diesem Wochenende völlig im Glück. So ein tolles Rudel! Und vor allem so eine tolle Lilly! Schade, dass es von den beiden kein Erinnerungsfoto gibt.

Der Scheckenheld wollte wissen, wo ich gewesen bin und woher ich das habe. Man beachte das geschlossene LSG und den Fesselstand.

Vielen Dank an Sandra, Ina, Max, Irko und alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Wir werden einen Termin für ein Praxisseminar finden!

Mittwoch, 28. März 2018

Betrifft: Anmeldungen zur Gebrauchshaltungskonferenz

Sowohl bei mir als auch bei Falada e.V. sind bereits zahlreiche mündliche und schriftliche Anmeldungen eingegangen.
Von diesen Anmeldungen wurden bisher weniger als die Hälfte bezahlt.
Um mit der Organisation klarzukommen, wurde nun beschlossen, dass (1) schriftliche Anmeldungen einen Teilnehmerplatz für zwei Wochen reservieren (danach verfällt die Anmeldung, wenn nicht auf das Konto von Falada e.V. eingezahlt wurde), dass (2) mündliche Anmeldungen uns zwar erfreuen, jedoch keine Gültigkeit haben und (3) auch Zusagen zur FB-Veranstaltung wie (1) behandelt werden.
Ich hoffe daher ganz arg, dass ihr eure Anmeldung durch die Überweisung vervollständigt und ich all diejenigen, über deren Interesse ich mich sehr gefreut habe, auch wirklich auf der Konferenz sehe.
Danke euch!

Montag, 26. Februar 2018

Neues vom Scheckenheld - Die Rückfahrt

Die erfolgreiche Hängerfahrt (150 Meter) von letzter Woche haben wir heute wiederholt. Einsteigen auf der Mistplatte, aussteigen vorne im Hof. Hänger wenden. Wieder einsteigen.
Schlau, dass wir nicht weit gefahren sind (bis Hamburg oder so). Denn woanders wieder einsteigen ist noch nicht geübt. Aber wir haben geübt, wie man übt. Daher konnten wir das Einsteigen für die Rückfahrt recht zügig üben, ohne das klassische "wie der Ochs vorm Scheunentor stehen". Einsteigen, aussteigen, einsteigen, ein Maul voll fressen, aussteigen, gucken, einsteigen, fressen, aussteigen, gucken, einsteigen, fressen, stehenbleiben und die hintere Stange akzeptieren, fressen, fressen, hintere Stange weg, aussteigen.
Übermorgen fahren wir dann in den Süden. 150 Meter vom Hof bis zur Mistplatte.
 
Beim Hängertraining wird vermutlich oft nur das Verladen geübt, aber nicht das Fahren, das Aussteigen, das Wiedereinsteigen und das Zurückfahren. So erklärt sich dann das häufig auftretende Problem, dass die Pferde zwar daheim gut in den Hänger gehen, sich aber nach einem Seminar, Reitkurs oder Turnier nicht mehr verladen lassen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nach der ersten Fahrt vergessen habe, das in der Box geparkte Pferd für die Rückfahrt wieder einzuladen. Ich war so froh, dass der Hänger gewendet war, dass ich gleich zum Hängerparkplatz durchgefahren bin. Es wäre zuviel des Guten gewesen...

Erfahrungsbericht

Ich bin Energetikerin und arbeite mit der Cranio-Sacralen Balance. Mein Anliegen ist es immer, das Lebewesen in seiner Gänze zu erfassen und entsprechende Impulse zu geben. So ein Ansatz hat mir in der körperlichen Arbeit mit meinen Pferden immer gefehlt. Die Anwendung der Biomechanik, die ich kannte, war immer so kleinteilig, so linear mit „ich will A, dann mach ich B“. Das hat mir nicht gefallen und eben seeeehr  oft auch nicht funktioniert.
     Mit der Biotensegrity, den Faszienzugbahnen und Maren Diehls Herangehens- und Sichtweise hat sich für mich endlich ein „ganzheitlicherer“ Zugang gefunden! Über die Arbeit mit den übergreifenden faszialen Strukturen komme ich dem Bewegungsgefühl des Lebewesens viel näher. Zudem lasse ich dem Pferd den Raum für eigene Erfahrungen und Umsetzung – wie bei meiner therapeutischen Arbeit mit den Selbstheilungskräften. 
 
Meine Erfahrung ist:
Das Pferd entwickelt sich nicht nur körperlich, sondern im Ganzen als Persönlichkeit. Tier und Mensch finden neue Wege und neue Ansätze, der Blick bleibt offen, der Weg ist spielerischer, ideenreicher, abwechslungsreicher, gegenseitig aufmerksamer. Der eigene Blick und die Empfindung für die Bewegung des Pferdes werden geschult.

Konkrete Punkte, die für mich Augenöffner waren:
Die Aufteilung in die Funktionalen Einheiten FE I und FE II und der Ansatz, speziell die Vorhand in die Arbeit zu bringen und den Fokus von der untergreifenden Hinterhand mit gesenktem Hinterteil mal wegzunehmen. Das war für mich ein echtes Raus- aus-der-Sackgasse bei meinem Araber!
Die Bewußtheit über das Schlängel-Gefühl bei der Bewegung der Wirbelsäule und der Einsatz dieses Bildes bei der Arbeit war der Durchbruch zu einem entspannteren Rücken bei meinem ShagyaWB.
Das Verständnis über die Auf- und Entladung der Struktur bei Zug und Druck und das Ziel einer tensegralen Struktur, den Raum zu behaupten, ist ein völlig neuer Zugang, der aber eine ganz andere Arbeits- und vor allem Bewegungsqualität erzeugt. Ich merke zudem deutlich, daß die Strukturen weniger be-, geschweige denn überlastet sind.

Zudem teile ich Marens Ansicht, daß das LSG sich im Galopp zur Kraftphase der Hinterhand hin schließen muss, damit der Kraftschluß erhalten bleibt, wenn der Galoppsprung korrekt durchgeführt wird.

Auch in meiner therapeutischen Arbeit am Pferd/Hund etc konzentriere ich mich noch mehr auf die Faszienzüge und die Verbindung der knöchernen/muskulären Strukturen über das Fasziengewebe.

Die Erfolge sind sichtbar!
Barbara Quiehl-Masmeier

Freitag, 23. Februar 2018

Neues vom Scheckenheld: Hängertraining - Hinfahrt

Der Scheckenheld und der Hänger haben ihre erste gemeinsame Fahrt überlebt. Von der Mistplatte durch die Stallgasse in den Hof. Sorgen hatte ich mir ja primär um den Hänger gemacht. Aber "Warte!!!!" funktioniert wirklich gut. Das gibt mir Zeit und Luft, alles aufzumachen, was kaputtgehen kann, wenn ein Schecke rückwärts durchpanzert.
Das Pferd war der personifizierte Stolz, als es dann, noch auf der Hängerrampe stehend, seine Leistung trötend der Welt kund tat.  Machen wir morgen nochmal (Plan).
 

Freitag, 16. Februar 2018

Neues vom Scheckenheld - Hängertraining

Hängertraining

Der Held geht frei auf den Hänger. Wiederholbar. Steht. Ich darf den Riegel einhängen. Futter nachlegen. Klappe zumachen. Freundliche Worte. Ziemlich lange zu lassen. Bis das Futter alle ist und Fragen kommen. Warte! Klappe wieder auf. Klaps auf den Hintern, damit, wie geübt, selbiger die Stange freigibt. Keine Reaktion. Weder mehr Stress, noch freie Stange. Der Blick, mit dem ich bedacht werde, signalisiert, dass etwas nicht richtig ist. Ach ja, sonst habe ich - um Befreiungsschläge abzuwenden, meine Chancen zu verbessern und das Pferd von der den Fluchtweg versperrenden und die Selbstbestimmung einschränkenden Stange abzulenken - erst nochmal eine Hand voll Mais vorne auf die Platte geworfen. Kaum geschehen, gibt der Hintern die Stange frei, ich kann sie heraus nehmen und das Pferd schreitet geordnet rückwärts vom Hänger. Dass selbiger jetzt angehängt ist und woanders steht, ist nicht relevant. Eine Änderung im Ablauf geht jedoch üüüüü.ber.haupt.nicht. *lach*

Man muss dazu wissen, dass der Held immer noch überzeugend erklärt, dass er sich, wenn man nicht schneller wird, durch gezielte Zerstörung des Hängers selbst befreit. Aaaaaber .... er wartet schon ziemlich lange, bevor er Ernst macht. Am Montag werden wir mal ein paar Meter fahren.

Bei seinem Papa ist alles noch viel spannender. Der findet Mais nicht besonders erstrebenswert, Leckerli und Zucker bringen es ebenso wenig wie Karotten. Heute habe ich aber herausgefunden, dass er die Peitsche gerne töten möchte und versucht, draufzutreten. Das üben wir jetzt mal ganz entspannt - töten auf Kommando ist erlaubt. Bin mir sicher, dass wir damit die Füße auf die Klappe bekommen!

(Da die Chancen, ihn auf den Hänger zu bekommen, im absoluten Minusbereich stehen, habe ich einfach mal geübt, mit der Peitsche völlig wertfrei, ohne Stress und Schimpfen, komische Sachen zu machen. Für jede aus seiner Sicht natürliche und sinnvolle Reaktion habe ich ihn gelobt, um klarzumachen, dass wir uns nicht streiten, sondern forschen. Fand er ziemlich spannend! Und ich werde mir anhand seiner Reaktionen einen Plan stricken.)

Mittwoch, 31. Januar 2018

Neues vom Scheckenheld

Wir gehen jetzt ins Gelände, und da die Reiterin vom Scheckenheldpapa gerade ausfällt und der Lockenheld noch zu klein ist, gehen wir alleine. Klappt. Gut.
 
Aber immer wieder Situationen zum Schlapplachen. Ich habe einen Weg gefunden, der sehr übersichtlich ist, wenig Überraschungen bereithält (zwischen leeren Äckern, die zwischen leeren Äckern liegen, auf der Höhe mit Blick auf zwei parallel verlaufende Straßen in jeweils einem Kilometer Entfernung) und eine Runde erlaubt. Der Plan ist, jetzt mal alle Gangarten reiten zu können. Da brauchen wir nix Neues am Weg.
 
An einer Stelle der Runde schaut man genau auf den etwa einen Kilometer entfernten Bahnübergang. Am ersten und am zweiten Tag auf dieser Runde hat jedes Mal das Signal angefangen zu leuchten und zu bimmeln. Dann kam der Zug. Das ist spannend, weil der erst mit großem Getöse angerauscht kommt, dann hinter dem Supermarkt verschwindet und hinter diesem sehr plötzlich wieder hervorgetöst kommt.
 
Der Scheckenheld hat sich das ganz genau angeschaut und abgespeichert.
 
Heute dann blieb er kurz hinter der besagten Stelle wie angewurzelt stehen, WEIL KEIN ZUG KAM. Der Speicherprozess dauerte fast noch länger als an den ersten beiden Tagen. (Mara meinte, er habe vermutlich darüber nachgedacht, ob man einen Zug genauso ausbremsen kann wie ein Auto...)
 
Macht aber nix, weil wir jetzt im Schritt die meiste Zeit am langen Zügel gehen, stehen bleiben wenn was komisch ist (anstatt nach Hause rennen zu wollen um in der Box über das Problem nachzudenken) und immer wieder fröhlich und stressfrei traben (und durchparieren) können. Sogar auf dem Heimweg. Und bergab.

Der neue Sattel hat zwar keine Probleme gelöst, aber immerhin auch keine neuen geschaffen. Man kann ja auch mal Glück haben!

Sonntag, 14. Januar 2018

Gebrauchshaltungsseminar in Kärnten

Ein neues, sehr spannendes Thema mit einem umstrittenen Titel.

Bislang habe ich keinen anderen Begriff gefunden, der so klar ausdrückt, worum es geht, sobald man einfach die vielen möglichen negativen Interpretationen weglässt. Die Gebrauchshaltung ist die Ausrichtung, die ein Pferd im Stand und in Bewegung zeigt, wenn es den bestmöglichen Gebrauch von seinem Körper und seinen Fähigkeiten macht, um einen Reiter zu tragen. Die Gebrauchshaltung des Reiters ist diejenige, die ihm den bestmöglichen Gebrauch seines Körpers in der Zusammenarbeit mit dem Pferd ermöglicht…

Diese Gebrauchshaltung ist kein starren Konzept, keine Form, in die Pferd und Reiter gezwängt werden. Gebrauchshaltung ist ein Ergebnis.

Um dieses Ergebnis der Ausbildung einschätzen zu können, kann man die Veränderung bestimmter Linien im Laufe der Zeit betrachten. Diese Veränderungen der Linien und des Verhältnisses verschiedener Punkte im Pferdekörper zueinander lassen Rückschlüsse auf die Qualität der bisherigen gemeinsamen Arbeit zu.

Dieses Seminar ist für alle Reiter gedacht, die sich über die Auswirkungen ihres Reitens auf das Pferd Gedanken machen und eine Baseline erstellen wollen, an der sich später die Veränderungen erkennen und einschätzen lassen.

Es geht nicht um gut oder schlecht. Es geht um eine Bestandsaufnahme, die sehr einfach gehalten oder sehr ausführlich dokumentiert sein kann - je nach persönlichem Wissensdurst.

Im Seminar werden die verschiedenen Linien und Verhältnisse sowie die Bedeutung der jeweiligen Entwicklung erläutert. Welche Linien sind relevant? Was sagen sie aus? Wo entwickeln sich pathogene Bewegungsmuster? Wo haben die pathogenen Muster sich aufgelöst?
Die letzteren Fragen sind auch für TherapeutInnenen sehr interessant.

Dazu kommen die Anforderungen an die Dokumentation und das Bildmaterial, damit ein Vergleich überhaupt möglich ist. Anhand von Einzelbildern, denen der Zusammenhang zur vorangegangenen und der folgenden Bewegungsphase fehlt, ist es kaum möglich, relevante Aussagen zu machen. Daher werden auch die einzelnen Bewegungsphasen definiert und zueinander in Verbindung gebracht.

Die Idee zu dieser Arbeit habe ich mit einigen fachkundigen Menschen besprochen, wobei einige der Meinung waren, “Leute” könnten mit dieser Idee nicht umgehen und würden dann versuchen, das Pferd wiederum in eine Form zu pressen. In meinen Versuchsseminaren 2016 habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass “Leute”, vor allem wenn sie bereits das Seminar “Biotensegrity - Biomechanik aus der Sicht des Pferdes” absolviert haben, genau die richtigen Fragen stellen. Und mich genau so verstehen, wie ich verstanden werden möchte.

Also: Leute, ich freue mich auf euch!
Ganz prima: Es stehen vor Ort Pferde zum Reiten und Longieren bei gleichzeitiger Buchung der Unterkunft kostenlos zur Verfügung. Mit Fragen wendet euch bitte an Sabine Reifenrath, reitschulereifenrath@gmail.com.

30.April-1.Mai 2018 auf dem Petschnighof, Diex 6, in 9103 Diex, Österreich
250€ plus KaffeeKeksAnlagenpauschale. Übernachtung und Schulpferde vor Ort zu buchen.
Anmeldung bei: marendiehl(at)aol.com