Montag, 24. Februar 2020

In eigener Sache 2

Ja, ich poste Aussagen zum Thema Biotesegrität, die für viele provokativ wirken.

Nein, ich kann nicht in jedem Post alles schreiben, was es zum Thema Biotensegrität und Biomechanik zu schreiben und zu belegen gibt. Das meiste habe ich bereits geschrieben, die meisten Ja-abers habe ich schon vielfach beantwortet.

Ja, unter dem Begriff  Biomechanik findet sich mehr als "Hebeldenken" - und ja, es findet sich der Begriff Biomechanik in allen hebelbasierten Denk- und Erklärungsmodellen.

Nein, dass sich der Begriff Biomechanik in allen hebelbasierten Denk- und Erklärungsmodellen wiederfindet, heißt nicht, dass die Biomechanik sich hierauf beschränkt.

Ja, es wird unglaublich viel geleistet in den verschiedenen Bereichen der Forschung, die unter "Biomechanik" eingeordnet werden.

Ja, diese Erkenntnisse sind wertvoll.

Nein, es sind nicht alle, die in den Forschungsbereichen der Biomechanik arbeiten, mit dem Namen glücklich.

Ja, es gibt physikalische Gesetze/Gesetzmäßigkeiten.

Ja, die Körper von Lebewesen und ihre Bewegungen folgen physikalischen Gesetzmäßigkeiten.

Nein, es gibt im Körper keine Hebel.

Warum das so ist und wie es denn sonst funktionieren soll, darauf liefert Biotensegrität als Erklärungsmodell die Antwort.

Ja, dieses Erklärungsmodell ändert das Bewegungsverständnis von allen, die es intellektuell UND physisch für sich erforschen.

Nein, wenn man versucht, der Biomechanik universell und im Großen und Ganzen zu ihrem Recht zu verhelfen, kann man nicht erfassen, worum es bei Biotensegrität geht.

Nein, es ist nicht meine Aufgabe, die Biomechanik neu zu definieren.

Ja, wenn die Aussage, es gebe im Körper keine Hebel, neugierig macht, habe ich meinen Job zur Hälfte getan.

Ja, die andere Hälfte meines Jobs ist es, zu vermitteln, was das Andere ist, das ja da sein muss, wo man die Hebel vermutet hat.

Ja, die Kür findet statt, wenn dieses Andere in Bewegungsfreude, Ausstrahlung und Schmerzfreiheit bei Mensch und Pferd sichtbar wird.

Für alle anderen Jobs - ask Aunt Google.




Samstag, 22. Februar 2020

In eigener Sache

Aus gegebenem Anlass und weil es draußen gerade noch zu schattig ist, um sich auf den Garten zu stürzen, möchte ich ein wenig über meinen fachlichen Hintergrund, die aktuellen Aktivitäten und meine Inspiration erzählen.

Aus der Pferdeszene und insbesondere Facebook habe ich mich schon vor einiger Zeit dahingehend zurückgezogen, dass ich nur noch ein paar wenige, mir persönlich bekannte Menschen abonniert habe und ansonsten nur noch das lese, worauf ich angesprochen werde.

Im letzten Jahr war für gut acht Monate hier im Blog fast nichts zu lesen. Im Oktober 2019 jedoch habe ich durch die Entwicklungen in Zusammenhang mit dem Treffen der Biotensegrity Interest Group in Gent neue Energie gewonnen.

Warum?

 In dieser Gruppe treffen sich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen von Forschung, Wissenschaft, Sport, Therapie und Training, um sich über ihre Arbeit und Biotensegrity auszutauschen. Besonders gefreut habe ich mich, dass ich 2018 und 2019 jeweils die Gelegenheit hatte, meine Gedanken zu "Biotensegrity in Horses" vorzustellen.

Die Inspiration für meine weitere Arbeit habe ich daraus gezogen, dass mir viele "Mitglieder der ersten Stunde", wie Steve Levin, Graham Scarr, Susan Lowell, Joanne Avison und andere, eine sehr positive Rückmeldung gegeben haben. Man könne sehen und spüren, dass und wie Biotensegrität in meinem Körper und meinen Bewegungen "lebt", und das sei eine wertvolle Ergänzung zur wissenschaftlichen Arbeit. Auch meine Annahmen und Aussagen zu den Bewegungsmustern von Pferden und die energieeffizienteste und verschleißärmste Koordination und Ausrichtung der Kräfte im Pferdekörper fanden ungeteilte Zustimmung. 

Zudem waren die Beiträge der anderen Vortragenden alle sehr spannend und haben viele Details, die ich vorher als Inselwissen in meiner inneren Landkarte des Fachwissens wahrgenommen hatte, schlüssig in Zusammenhang gebracht.

Im Moment arbeite ich, gemeinsam mit Maike Knifka und anderen Mitgliedern der Biotensegrity Pioneers energisch daran, mich mit den Newtonschen Gesetzen der Mechanik in ihrem genauen Wortlaut vertraut zu machen und genaue Definitionen verschiedener Begriffe im Netz und in der Fachliteratur zusammenzusuchen. Die Verwendung der Begriffe in Argumentationen zeigt eine große Beliebigkeit bezüglich der Definitionen sowie der Interpretationen besagter Definitionen.

Hier ist es mir ein Anliegen, für Klarheit zu sorgen, damit Austausch und Diskussionen wirklich auf den Punkt kommen können.

Die gesamte Arbeit ist eine einzige Gratwanderung. Fasse ich die in mehreren Blogposts begründeten Aussagen in einem einzigen Satz zusammen, werden mir "unhaltbare und oberflächliche Pauschalaussagen" vorgeworfen, erkläre ich ausführlich, liest es niemand, weil der Text zu lang ist. Benutze ich allgemeinverständliche Sprache, bin ich unwissenschaftlich, benutze ich Fachbegriffe und verweise auf wissenschaftliche Arbeiten, ist das zu kompliziert. 

Die Arbeit wird dann zusätzlich erschwert durch Spezialisten, die die Kommentarspalten mit Halbwissen zumüllen und zu so atemberaubenden Erkanntnissen kommen wie:

"Es gibt keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten.
Und P.S für Erdbewohner gelten die selben physikalischen Gesetze. Egal ob man auf einer Scheibe wohnt oder auf einer Kugel. Bei beiden fällt der Apfel auf den Boden und will man ihn aufheben, benutzt man Hebel."

Bitte macht euch bewusst, dass ich sehr viel unbezahlte (!) Arbeit leiste, um die entsprechenden Informationen und Quellen zur Verfügung zu stellen, Definitionen zu klären und wasserdichte Beweisführungen zu veröffentlichen, damit die Biotensegrität aus ihrem Schattendasein herauskommt. 


Für wen?

In erster Linie, auch wenn das in meiner derzeitigen Arbeit nicht so erkennbar ist, arbeite ich dafür, dass Pferde und Menschen die Möglichkeit bekommen, zur bestmöglichen Version ihrer selbst zu werden, unter anderem durch die Entwicklung des Potenzials der dem Körper eigenen Tensegrität.
Einige Seminare sind speziell für Therapeuten und andere beruflich an und mit Pferden arbeitende Menschen ausgelegt.

Bei Pferden wie Menschen unterscheide ich zwischen denen, die "es" wissen wollen und denen, die ihre alten Glaubenssätze beweisen wollen.

Letztere möchte ich bitten, erst wieder in Erscheinung zu treten, wenn sie entweder klar benennen können, wie die Hebel im Pferdekörper funktionieren, mit Drehpunkt, Fixpunkt und allem, was dazugehört, oder die Annahme, dass Biotensegrität das sinnvollere Erklärungsmodell für die Bewegungsorganisation von Lebewesen ist, widerlegen können (anstatt pausenlos zu wiederholen, dass der biomechanische Ansatz der richtige sei, weil man das seit 300 Jahren so macht)...

Mit Ersteren arbeite ich am liebsten im direkten persönlichen Kontakt, weil es eben kein Schnack ist, dass man Biotensegrität spüren und erfahren muss. Werden Menschen und Pferde bewusst als Biotensegritäten wahrgenommen und berührt, empfinden sie sich auch als Biotensegritäten und fangen an, sich wie solche so zu bewegen und die neuen Möglichkeiten zu erforschen. DAS ist die Arbeit die ich machen will, der Rest ist Mittel zum Zweck. Diese Arbeit beschränkt sich übrigens nicht auf Pferde und Pferdeleute!

Und wie?

Am liebsten gebe ich kleine Seminare mit etwas sechs Teilnehmer*innen, bei großen Entfernungen dürfen es auch acht sein. Und dann gibt es die Seminare für die Biotensegrity Pioneers und Biotensegrity Visionaires bei mir zuhause mit zwei bis drei Personen, die ganz tief in die Materie eintauchen wollen. Auch hier gilt: Ohne das Erspüren und das Wahrnehmen der eigenen Tensegrität und der des Gegenübers bleibt jedes theoretische Wissen oberflächlich!

Für mich ist Biotensegrity eine Einladung, die Tür in eine neue Erfahrungswelt, zu einem neuen und sehr angenehmen Körpergefühl, zu besserer Gesundheit und Lebensfreude bei Mensch und Pferd.

Eine gute Voraussetzung für die gemeinsame Arbeit ist die Lektüre meines Buches "Jenseits der Biomechanik". Warum? Weil ich durch den Buchverkauf reich werden will? Sicher nicht. Wer dieses Buch gelesen hat, hat damit auch angefangen zu denken und zu spüren, kann vielleicht schon Fragen stellen. Es ist ein wenig wie mit Sauerteig: Man macht erst einen Vorteig (Buch), dann den Hauptteig (Seminar) und dann schiebt man das Brot in den Ofen (Leben) und hofft, dass es gut wird...

Und nun?

Nun hoffe ich, dass ganz viele von den Menschen, mit denen ich gerne arbeiten möchte, diesen Text bis zum Schluss gelesen haben und sich für meine Seminare anmelden, und dass sich vielleicht sogar noch neue Termine und Orte ergeben...

Biotensegrity is spirit in action!




Freitag, 21. Februar 2020

Denkzettel Nr. 1 von Maike Knifka

Die Geschichte der Biomechanik - oder ist die Biomechanik Geschichte? 

Der Ansatz der Biomechanik ist, die Bewegungsvorgänge des lebenden Körpers zu erklären und berechenbar zu machen. Der Begriff Biomechanik ist eine Wortkreuzung. Zugrunde liegt hier die einfache Annahme, aus der Gleichung "Mechanik = Die Lehre von der Bewegung von (festen) Körpern" durch den Zusatz „Bio“ = Leben", die Gleichung "Biomechanik = Die Lehre von lebenden Körpern" aufstellen zu können. 

Rein optisch betrachtet ist es natürlich verlockend, Gliedmaßen, Hälse, Becken, etc. als Hebel anzusehen, oder Pferderücken als Brücken. So ging es im 17. Jahrhundert vermutlich auch Borelli [1]. Zu mal es in dieser Zeit wohl modern war, technischen Fortschritt zu symbolisieren und sich beispielsweise Körper als Maschinen vorzustellen. Das ist lange her. Sieht man sich die Historie der Mechanik an und die definierten Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um die Gesetzmäßigkeiten der Mechanik sinnvoll anwenden zu können, wird klar, dass hier in Bezug auf den lebenden Körper falsche Annahmen getroffen wurden: In der Biomechanik geht man aber auch heute noch davon aus, dass Muskeln über Knochen, die als Hebel fungieren, Drehmomente in Gelenken erzeugen und darüber Kraft bzw. Bewegung übertragen. 

Dienstag, 18. Februar 2020

Die Klippen V - Biomechanik fühlen lernen




Biomechanik? Funktionelle Anatomie!

Anatomie beschreibt, was ist
Funktionelle Anatomie beschreibt die Anatomie in Bewegung, die Interaktionen ihrer Teile und ihre Reaktionen auf Bewegung und Belastung.
Biomechanik versucht, die funktionelle Anatomie mit den Begriffen der klassischen bzw. technischen Mechanik zu beschreiben. 
Biomechanisch begründete Bewegungslehren schaffen mechanistische Bewegungsbilder.
Mechanistisches Bewegungsbilder beschränken die Bewegungsmöglichkeiten eines Lebewesens auf einen Bruchteil seines Bewegungspotenzials.
Die Beschränkung der Bewegungsvielfalt in Verbindung mit mechanistischen Bewegungsideen führt zu pathogenen Bewegungsmustern.
Aus pathogenen Bewegungsmustern entwickeln sich Pathologien.
...

Wissenschaft

Wissenschaft schafft Wissen.
Wissen schafft man durch genaue Beobachtung dessen, was ist, durch die genaue Beobachtung von Mustern und wiederkehrenden Ereignissen.
Die ständige Wiederholung der Interpretationen früherer Beobachtungen ist keine Wissenschaft.
Wenn die Realität der Theorie widerspricht, stimmt natürlich etwas nicht mit der Realität.
Beobachtungen mit statistischer Signifikanz:
- Fußung
- Atmung
- Bemuskelung
- Schwebephase

Biotensegrity ist eine Wissenschaft

Dienstag, 11. Februar 2020

Die Klippen IV - Die alles verändernde Therapie

Endlich ist sie da - die Therapie, die alle Probleme löst! Es gibt sie in jeder Preislage, passend zu jedem Problem...

Die Klippen III - Die neue Reitweise

Es ist naheliegend, sich einen neuen Trainer oder eine neue Schule zu suchen, wenn das Ergebnis der bisherigen Arbeit zu wünschen übrig lässt, denn irgendwie müssen die bisher angewandten Techniken und Methoden ja etwas mit dem Ergebnis zu tun haben. Zumindest trifft das dann zu, wenn man sich an alle Anweisungen gehalten, die entsprechende Literatur verschlungen, an sich selbst gearbeitet und hingebungsvoll geübt hat.

Die Klippen II - Interpretationen dessen, was ist

Betrachten wir, was wir sehen:
In 99% aller Fälle, das ist mein Erfahrungswert, wird spätestens auf dem Videostandbild vom Moment des Abfußens im Trab deutlich, dass die Reinheit des Ganges und sein räumliches wie zeitliches Gleichmaß nicht existieren. Sollte man die Fußung nicht genau erkennen können, hilft es, statt dessen den Fesselstand zu betrachten. Je stärker die Fußung verschoben ist, um so stärker unterscheiden sich dessen Winkel vorne und hinten.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Die Klippen I - Die alten Meister

Was macht es so schwierig, einem Pferd gerecht zu werden?
(Aus Übersichtsgründen nehmen wir mal nur ein Pferd. Und man könnte ebenso einen Menschen oder gar sich selbst an dessen Stelle setzen.)

In den letzten zwanzig Jahren habe ich reiterlich viele Klippen umschifft, und eine der größten war, im Nachhinein betrachtet, die der "Interpretationen der Schriften der alten Meister". Nennen wir sie Klippe I oder Kap der guten Hoffnung II.