Samstag, 22. Februar 2020

In eigener Sache

Aus gegebenem Anlass und weil es draußen gerade noch zu schattig ist, um sich auf den Garten zu stürzen, möchte ich ein wenig über meinen fachlichen Hintergrund, die aktuellen Aktivitäten und meine Inspiration erzählen.

Aus der Pferdeszene und insbesondere Facebook habe ich mich schon vor einiger Zeit dahingehend zurückgezogen, dass ich nur noch ein paar wenige, mir persönlich bekannte Menschen abonniert habe und ansonsten nur noch das lese, worauf ich angesprochen werde.

Im letzten Jahr war für gut acht Monate hier im Blog fast nichts zu lesen. Im Oktober 2019 jedoch habe ich durch die Entwicklungen in Zusammenhang mit dem Treffen der Biotensegrity Interest Group in Gent neue Energie gewonnen.

Warum?

 In dieser Gruppe treffen sich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen von Forschung, Wissenschaft, Sport, Therapie und Training, um sich über ihre Arbeit und Biotensegrity auszutauschen. Besonders gefreut habe ich mich, dass ich 2018 und 2019 jeweils die Gelegenheit hatte, meine Gedanken zu "Biotensegrity in Horses" vorzustellen.

Die Inspiration für meine weitere Arbeit habe ich daraus gezogen, dass mir viele "Mitglieder der ersten Stunde", wie Steve Levin, Graham Scarr, Susan Lowell, Joanne Avison und andere, eine sehr positive Rückmeldung gegeben haben. Man könne sehen und spüren, dass und wie Biotensegrität in meinem Körper und meinen Bewegungen "lebt", und das sei eine wertvolle Ergänzung zur wissenschaftlichen Arbeit. Auch meine Annahmen und Aussagen zu den Bewegungsmustern von Pferden und die energieeffizienteste und verschleißärmste Koordination und Ausrichtung der Kräfte im Pferdekörper fanden ungeteilte Zustimmung. 

Zudem waren die Beiträge der anderen Vortragenden alle sehr spannend und haben viele Details, die ich vorher als Inselwissen in meiner inneren Landkarte des Fachwissens wahrgenommen hatte, schlüssig in Zusammenhang gebracht.

Im Moment arbeite ich, gemeinsam mit Maike Knifka und anderen Mitgliedern der Biotensegrity Pioneers energisch daran, mich mit den Newtonschen Gesetzen der Mechanik in ihrem genauen Wortlaut vertraut zu machen und genaue Definitionen verschiedener Begriffe im Netz und in der Fachliteratur zusammenzusuchen. Die Verwendung der Begriffe in Argumentationen zeigt eine große Beliebigkeit bezüglich der Definitionen sowie der Interpretationen besagter Definitionen.

Hier ist es mir ein Anliegen, für Klarheit zu sorgen, damit Austausch und Diskussionen wirklich auf den Punkt kommen können.

Die gesamte Arbeit ist eine einzige Gratwanderung. Fasse ich die in mehreren Blogposts begründeten Aussagen in einem einzigen Satz zusammen, werden mir "unhaltbare und oberflächliche Pauschalaussagen" vorgeworfen, erkläre ich ausführlich, liest es niemand, weil der Text zu lang ist. Benutze ich allgemeinverständliche Sprache, bin ich unwissenschaftlich, benutze ich Fachbegriffe und verweise auf wissenschaftliche Arbeiten, ist das zu kompliziert. 

Die Arbeit wird dann zusätzlich erschwert durch Spezialisten, die die Kommentarspalten mit Halbwissen zumüllen und zu so atemberaubenden Erkanntnissen kommen wie:

"Es gibt keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten.
Und P.S für Erdbewohner gelten die selben physikalischen Gesetze. Egal ob man auf einer Scheibe wohnt oder auf einer Kugel. Bei beiden fällt der Apfel auf den Boden und will man ihn aufheben, benutzt man Hebel."

Bitte macht euch bewusst, dass ich sehr viel unbezahlte (!) Arbeit leiste, um die entsprechenden Informationen und Quellen zur Verfügung zu stellen, Definitionen zu klären und wasserdichte Beweisführungen zu veröffentlichen, damit die Biotensegrität aus ihrem Schattendasein herauskommt. 


Für wen?

In erster Linie, auch wenn das in meiner derzeitigen Arbeit nicht so erkennbar ist, arbeite ich dafür, dass Pferde und Menschen die Möglichkeit bekommen, zur bestmöglichen Version ihrer selbst zu werden, unter anderem durch die Entwicklung des Potenzials der dem Körper eigenen Tensegrität.
Einige Seminare sind speziell für Therapeuten und andere beruflich an und mit Pferden arbeitende Menschen ausgelegt.

Bei Pferden wie Menschen unterscheide ich zwischen denen, die "es" wissen wollen und denen, die ihre alten Glaubenssätze beweisen wollen.

Letztere möchte ich bitten, erst wieder in Erscheinung zu treten, wenn sie entweder klar benennen können, wie die Hebel im Pferdekörper funktionieren, mit Drehpunkt, Fixpunkt und allem, was dazugehört, oder die Annahme, dass Biotensegrität das sinnvollere Erklärungsmodell für die Bewegungsorganisation von Lebewesen ist, widerlegen können (anstatt pausenlos zu wiederholen, dass der biomechanische Ansatz der richtige sei, weil man das seit 300 Jahren so macht)...

Mit Ersteren arbeite ich am liebsten im direkten persönlichen Kontakt, weil es eben kein Schnack ist, dass man Biotensegrität spüren und erfahren muss. Werden Menschen und Pferde bewusst als Biotensegritäten wahrgenommen und berührt, empfinden sie sich auch als Biotensegritäten und fangen an, sich wie solche so zu bewegen und die neuen Möglichkeiten zu erforschen. DAS ist die Arbeit die ich machen will, der Rest ist Mittel zum Zweck. Diese Arbeit beschränkt sich übrigens nicht auf Pferde und Pferdeleute!

Und wie?

Am liebsten gebe ich kleine Seminare mit etwas sechs Teilnehmer*innen, bei großen Entfernungen dürfen es auch acht sein. Und dann gibt es die Seminare für die Biotensegrity Pioneers und Biotensegrity Visionaires bei mir zuhause mit zwei bis drei Personen, die ganz tief in die Materie eintauchen wollen. Auch hier gilt: Ohne das Erspüren und das Wahrnehmen der eigenen Tensegrität und der des Gegenübers bleibt jedes theoretische Wissen oberflächlich!

Für mich ist Biotensegrity eine Einladung, die Tür in eine neue Erfahrungswelt, zu einem neuen und sehr angenehmen Körpergefühl, zu besserer Gesundheit und Lebensfreude bei Mensch und Pferd.

Eine gute Voraussetzung für die gemeinsame Arbeit ist die Lektüre meines Buches "Jenseits der Biomechanik". Warum? Weil ich durch den Buchverkauf reich werden will? Sicher nicht. Wer dieses Buch gelesen hat, hat damit auch angefangen zu denken und zu spüren, kann vielleicht schon Fragen stellen. Es ist ein wenig wie mit Sauerteig: Man macht erst einen Vorteig (Buch), dann den Hauptteig (Seminar) und dann schiebt man das Brot in den Ofen (Leben) und hofft, dass es gut wird...

Und nun?

Nun hoffe ich, dass ganz viele von den Menschen, mit denen ich gerne arbeiten möchte, diesen Text bis zum Schluss gelesen haben und sich für meine Seminare anmelden, und dass sich vielleicht sogar noch neue Termine und Orte ergeben...

Biotensegrity is spirit in action!




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