Donnerstag, 24. Oktober 2019

Knochen, Faszie und Embryonalentwicklung


Über den Vortrag von Dominique Bourgois

Dieser Vortrag war für mich ein sehr spannender, weil er mehrere Themen zusammenführt. Da die Aussagen im Englischen griffiger sind, habe ich die originalen Zwischenüberschriften beibehalten.

Embryonalentwicklung

Alles beginnt mit einem kleinen Zellhaufen, aus dem sich nach und nach ein vollständiger Organismus bildet. Nur mit den „Befehlen“ der DNA ist es nicht getan, der Embryo erhält seine Wachstumsreize durch Veränderungen im tensegralen Spannungssystem.

Bones are fascia

Die Betrachtung der Embryonalentwicklung zeigt sehr deutlich, dass sich die Knochen „frei schwebend“ aus dem Fasziengewebe bilden, zunächst durch Verdichtung und später durch Kalziumeinlagerung. Aus diesem Blickwinkel ist die Aussage „Bones are fascia“ absolut logisch, nachvollziehbar und systemkongruent.




Fasziengewebe kann unterschiedlich elastisch sein und sich unterschiedlichsten Anforderungen anpassen. Wenn daher Knochen (ein Teil der) Faszie sind, wird der Unterschied zwischen den üblichen Modellen und einem lebenden Organismus klar:

Tensegrity benötigt 2 Materialien, BIOtensegrity nur eines: Fasziengewebe!

Volumes, not layers

Dies gilt in der Selbstwahrnehmung, in der Betrachtung, in der Therapie und im Training gleichermaßen. Es ist wichtig, die Faszienzugbahnen ähnlich wie die Tensegrity-Modelle als Hilfe zum Verständnis zu betrachten, aber nicht als Teile eines Körperbaukastens. Der Körper definiert sich durch den eingenommenen Raum und seine räumliche Form. Sehr schön fand ich die Aussage, dass es hilfreich ist, Konfusion zu verursachen, wenn man Veränderung bewirken möchte.

Die folgenden Sätze übersetze ich nur, da sie meines Erachtens keiner weiteren Erklärung bedürfen:

There is no such thing as active and passive system. Everything is active.
Es gibt keine aktiven und passiven Systeme. Alles ist aktiv.

Muscles are not on/off, there is always pretension
Muskeln schalten sich nicht an und aus, wechseln nicht zwischen Arbeit und Pause.

Muscles organize the deformation of the body
Sie sind zuständig für die Organisation der (funktionalsten) Form.

If there are no levers, what is there instead?
Wenn es keine Hebel gibt, was gibt es stattdessen?

Stability based upon the intrinsic forces of the tensegral body
Die dem tensegralen Körper, die einer Biotensegrität innewohnenden Kräfte geben ihm seine Stabilität (ebenso wie seine Flexibilität und seine Reaktionsfähigkeit).

Veröffentlicht mit dem Einverständnis von Dominique Bourgois, Fascia College, Gent, Belgien





1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Bravo, sehr fleißig
LG Jan