Freitag, 25. März 2016

Denkfehler

„Der muss richtig arbeiten, damit er zufrieden ist.“
„Lass den mal richtig schwitzen.“
„Dann soll er halt mal arbeiten, bis er keine Lust mehr hat.“
„Wer Blödsinn macht, kann auch arbeiten.“

Alle diese Sätze sind bekannt und bei den meisten Menschen negativ besetzt. Meistens liegt in ihnen ein drohender Unterton. Der Begriff „Arbeit“ alleine steht für Zwang, Ausbeutung, Missbrauch. Das gleiche gilt für „Leistung“. Deshalb hört man in der Pferdeausbildung auf, wenn etwas gut war. Deshalb gibt es Reitweisen, in denen ein Pferd nicht schwitzen darf oder höchstens zwanzig Minuten einen Reiter tragen kann. Deshalb werden Pferde heutzutage eher „bespaßt“ als gearbeitet.

 
Ich habe etwas lernen dürfen. Von Effekt. Nach jeder Trainingspause (> als 24 Stunden) und manchmal auch einfach so provozierte dieses Pferd seit ein paar Wochen eine Auseinandersetzung, die dann meistens damit endete, dass ich ihn sich frei austoben ließ, bis er wieder einer vernünftigen Argumentation zugänglich war, weil ich keine Lust auf Streit und Kampf hatte. Mir gingen langsam die Ideen aus, wie man dieses Pferd so arbeiten könnte, dass es das selbst auch gut findet.

Jedenfalls stand fest: Nett kann ich wohl, bringt aber nix. Nicht bei Effekt. Der g´hert zum Bund!
 
Dann hatte ich ein langes Telefonat mit einem Pferdemenschen, eigentlich über Biotensegrity und einen Blogpost von mir. Was auch immer mein Gesprächspartner oder ich selbst (manchmal hilft es schon, wenn ich mir selbst mal zuhöre) gesagt haben mögen – vielleicht war es auch nur ein Anstoß für eine Änderung der Denkrichtung –, plötzlich war die Sache klar:

Wenn ich der Meinung war, dass etwas gut war, merkte Effekt nur, dass ich mit ihm zufrieden war, aber er konnte nicht in sich selbst spüren, dass er gut war, dass er etwas geleistet hatte. Also provozierte er physische Höchstleistungen, die ich von ihm, aus falsch verstandener Nettigkeit, nie verlangt hätte. Das, was ihn zufriedenstellte, fand ich wiederum blöd, weil ich ja im Einvernehmen arbeiten wollte.

Die Lösung ist so simpel, dass es fast schon lustig ist. Sie liegt in der Definition von Arbeit. Hätte ich drauf kommen können, darüber habe ich ja im neuen Buch geschrieben. Arbeit und Leistung sind nicht böse. Ich muss nicht erst sauer werden um Leistung zu fordern oder ein Pferd mal richtig arbeiten zu lassen. Das kann man ganz fröhlich einfach immer machen, bei den Pferden, die das brauchen. Das Pferd bestimmt, was gut ist, und gut ist, wenn es mit sich und seiner Leistung zufrieden sein kann.
 
Dann ist das Pferd nach der Arbeit nassgeschwitzt. Aber es steht am Schluss in stolzer Haltung und mit leuchtenden Augen da. Ruhig und zufrieden, aber nicht erschöpft. Und am nächsten Tag fragt es, ob wir das nochmal machen können. Können wir, weil ich nun auch ruhig und zufrieden bin, denn ich schaffe es, dem Pferd zu geben, was es braucht. Ich muss es sich an der Longe und unter mir einfach abarbeiten lassen, ohne zuviel reinzuquatschen. Effekt legt sich die Latte höher, als ich es tun würde.
 
Es gibt Pferdetypen und Pferderassen, die etwas leisten wollen. Für sich. „Der fragt nach Arbeit“ ist kein dummer Spruch. Das ist eine Feststellung, die zu den richtigen Schlüssen führt, sobald man Arbeit als Aktivator für das innere Belohnungssystem betrachtet und nicht als Strafe.
 
(c) Maren Diehl
 

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