Dienstag, 25. August 2015

Feedback zum Seminar in Bad Bellingen

Bevor ich die lange Mail von Susanne (mit ihrem Einverständnis) veröffentliche, möchte ich mich auf diesem Weg nochmal bei unserer Gastgeberin und den Hofbesitzern bedanken. Ein schönes Wochenende in wunderbarer Umgebung!
 
Guten Morgen liebe Maren
 
Hoffentlich bist Du nach dem wunderbaren Kurs gut nach Hause gekommen. Wir Schweizer tun uns ja immer ein bisschen schwer damit, uns die grossen Distanzen vorzustellen, die das weitläufige Deutschland für Euch so mit sich bringt .
 
Langsam sinkt das am Wochenende Erfahrene in tiefere Schichten, und es ist nicht mehr so kopflastig in mir. Ich bin Dir so dankbar für die vielen wertvollen Einsichten, die sich mir in unserer wertfreien und ermutigenden Atmosphäre eröffnet haben! Erstmals habe ich völlig klar und doch ganz ohne "mich-schlecht-machen" gespürt, dass ich mehr Stabilität, sowohl körperlich wie geistig, brauche - für mich, aber vor allem auch für mein Pferd. Das ist schwierig zu artikulieren, den Wert allein dieser Erkenntnis für meine weitere Entwicklung zu transportieren. Für mich jedenfalls erklärt sie vieles und ermöglicht mir hoffentlich, bisherige Muster zu durchbrechen, einfach weil ich jetzt zumindest weiss, dass ein stabiles, ruhiges Zentrum der Anfang jeder Lösung ist. Das zu üben macht mir jetzt schon Spass!
 
Im Umgang mit meinem Pferd Nono hat sich schon gestern Abend eine gegen aussen vollkommen unmerkliche, nach innen aber als Landung auf einem andern Stern gefühlte Veränderung ergeben: Es regnete heftig und laut, in der Halle hallte es wider, und draussen manifestierte sich die Unruhe des Wetters in allem was war. Für Nono sind solche Situationen kaum auszuhalten, so viele Reize, so viele nicht verifizierbare, diffuse Schrecklichkeiten. Bisher war es auch für mich sehr schwierig bis unmöglich, dann bei mir zu bleiben. Auch ich mag diese Unruhen nicht, und ich pflegte mit Nono mitzufühlen. So steigerten wir uns jeweils noch weiter ins Chaos, ich wurde stinkig, weil das Pferd nur wie ein aufgeschrecktes Rehlein herumhüpfte und -hetzte und unter meiner Unzufriedenheit immer mehr den Kontakt zu sich selber verlor. GESTERN aber betrachtete ich es ganz selbstverständlich als Übung, die ganze Unruhe auszuhalten, sie in ihre Einzelteile zu zerlegen und auf der "to do-Liste" ein Einzelteil nach dem andern abzustreichen. Ich übte, Kontakt zu Nono zu halten, ohne in seine Emotionen zu gehen. Oder in meine. Aber da waren ja gar keine mehr in mir! Da war nur noch dieses Üben! Und die Lust daran, FREUDE!
 
Nono tat sich noch etwas schwerer mit dieser Übung, aber er konnte sich doch zwischendurch in meine Hand geben. So konnte ich in einem guten Moment von recht deutlicher Stabilität aufhören. Und ich fühlte nur Freude in mir und konnte ihn von Herzen loben. So kamen wir beide strahlend aus dieser Übungs-Einheit heraus, die zwar kein physisch wertvolles Training war, aber doch so eminent wertvoll.
 
Dieser Unterschied zwischen Trainieren und Üben ist mir dank Dir klar! So kann ich jetzt ohne Druck positiv auch in Situationen hineingehen, die aus Nonos und/oder meinen Unzulänglichkeiten heraus kein Trainieren der Physis erlauben. Zumindest traue ich mich, das nach und nach zu üben. Was für ein Erlebnis!
 
Ich danke Dir für diesen wirklichen Respekt, den Du uns allen entgegengebracht hast: Wohl ahnte ich Deine Grösse und Dein Wissen, fühlte mich aber nie erdrückt oder klein daneben, sondern nur ermutigt, selbst zu wachsen und zu lernen.
 
Alles Gute und Liebe - bis wir uns wiedersehen und länger
Susanne Wild
 
 Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich meine Seminare wahrgenommen werden - eine andere Teilnehmerin sah am Samstag "nur zwei Pferde, die auf der Vorhand liefen". Die gab es, ja, und auch nicht verwunderlich, vor allem bei dem etwa zwanzigjährigen Isländer, der sonst nur im Gelände geritten wird. Und dennoch hat dieses Pferd bis zum Sonntagnachmittag eine schöne Entwicklung gezeigt. Für die, die das sehen konnten. Auch der Quarter hat mitgearbeitet und sich verändert, auch wenn wir es nicht ganz geschafft haben, ihn in vollendeter Piaffe vorzuführen.  *Ironie aus*
 
Danke auch an die TeilnehmerInnen, die sich begeistert in den Partnerübungen gegenseitig trainiert haben, hoch konzentriert und mit immer neuen Erkenntnissen über sich selbst. Es sah so aus, als sei die Idee des tensegralen Fühlens angekommen.
 
 

Keine Kommentare: