Mittwoch, 20. August 2014

Hufrehe durch Verzehr von Schwarzem Nachtschatten?

Vermutlich kommt dieser Post für die meisten Hufrehefälle zu spät, aber vielleicht hilft es ja für nächstes Jahr. In diesem Jahr ist der schwarze Nachtschatten bereits Ende Juli schier explodiert und trägt, wenn ich das richtig erinnere, seit Anfang August Beeren. In Blättern und unreifen Früchten befinden sich stark giftige Steroid-Alkaloide, und manche Pferde fressen dieses Gewächs mit Leidenschaft. Zehn unreife Beeren können für einen Menschen tödlich sein! Im letzten Jahr ist eine Stute daran verendet.

Mir fiel vor zwei Wochen eine Stute, deren Besitzer in Urlaub waren, durch Dünnpfiff auf. Die anderen Mitglieder der Haltergemeinschaft konnten sich das nicht erklären - kein Weidegang, Heu wie immer. Mir ließ die Sache keine Ruhe, ich habe mich auf die Suche begeben und fand außerhalb der Reichweite der Pferde hüfthoch wachsenden schwarzen Nachtschatten. Innerhalb der Reichweite fast nur noch Strünke... Also habe ich die Ärmel hoch gekrempelt und mal eine halbe Stunde gejätet.

Tödliche Glaubenssätze in diesem Zusammenhang sind:
  • Wenn die genug anderes zu fressen haben, gehen die da nicht dran.
  • Meiner frisst das nicht.
  • Pferde wissen, was giftig ist.
  •  Ist ja nicht mein Pferd. 
Vom schwarzen Nachtschatten gibt es unterschiedliche "Sippen", die sehr unterschiedlich giftig, manchmal sogar giftfrei sind. Ein Pferd, das aus einer Region mit ungiftigem Nachtschatten kommt, hat keinerlei negative Erfahrungen oder Erberfahrungen mit dem schwarzen Nachtschatten!

© Abbildung Eva Pier, Münster
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Das tückische an den Vergiftungserscheinungen ist, dass man sie meistens zu spät bemerkt. Bis die Hufrehe - als Entgiftungsreaktion - auftritt, sind die Giftpflanzen aufgefressen. Gerade der Nachtschatten kommt so plötzlich, wächst unglaublich schnell - und im Boden sind tausende von Samen, die ihn in jedem Jahr wieder erscheinen lassen. Ausreißen hilft nur für den Moment, es heißt Aufpassen. Immer.

Zudem kommen die Rehefälle zeitgleich mit dem beschleunigten Wachstum des Grases auf den Weiden und mit der Fütterung des ersten Heus. Beide Tatsachen lenken erfolgreich von einjährigen Giftpflanzen ab. Natürlich gibt es noch mehr einjährige Giftpflanzen, es ist sicher gut, zu jeder Jahreszeit genau hinzuschauen, was auf den Wiesen, unter den Paddockzäunen und an den Anbindeplätzen so wächst.

Foto mit freundlicher Genehmigung von www.die-honigmacher.de

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