Ellbogenarthrose bei Pferden ...
















Dieser Artikel über die Forschungsarbeit von Sharon May-Davis wurde am 19.11.2013 erstmals von Jane Clothier (www.thehorsesback.com) veröffentlicht. Da die Befunde sich mit meinen Beobachtungen decken und meine Befürchtungen bestätigen, habe ich um die Erlaubnis gebeten, diese Arbeit übersetzen und auf deutsch veröffentlichen zu dürfen.
Zuvor noch eine kurze Begriffsklärung: Im Englischen bezeichnet der Begriff Osteoarthritis das, was wir unter Arthrose verstehen, einen vorzeitigen fortschreitenden Verschleiß der Knorpelmasse am Gelenkkopf, der im Extremfall bis zum Knochenabrieb führen kann. Im Deutschen heißt nur die akute entzündliche Phase der Erkrankung ebenfalls Arthritis. In dieser Phase kann das Gelenk heiß, schmerzhaft und geschwollen sein (muss aber nicht). Das, was bleibt, wenn die Entzündung abgeklungen ist, ist Arthrose.  Es folgt der Originaltext, Erläuterungen von mir in roter Schrift:
 
 ... eine Studie vom anderen Ende der Welt
 
"Manchmal braucht es eine Person von der anderen Seite des Zaunes, um etwas zu sehen, was schon immer offensichtlich war, aber nie erkannt wurde – einfach, weil nie jemand nachgesehen hat.“  
Sharon May-Davies, Australien

Ein gutes Beispiel für diesen Blick über den Zaun liefern Amateurastronomen, sie sind besonders bekannt für ihre aufregenden Entdeckungen. Anthony Wesley beispielsweise fand 2009 auf der Oberfläche des Jupiter einen sichtbaren Meteoriteneinschlag, das Ehepaar Shoemaker und ihr Nachbar Herr Levy entdeckten 1993 einen Kometen. Erstaunlicherweise sind die Astronomen in der Lage zu erkennen, dass Amateure eine wichtige Rolle bei der Datensammlung erfüllen, auch wenn ihnen – im Gegensatz zu den Wissenschaftlern – die technischen Möglichkeiten zur Auswertung fehlen.
Man sollte meinen, dass es keine neuen Daten in der Pferdepathologie zu finden gibt, weil bereits alles definiert, beschrieben, untersucht, erforscht und erkannt ist – abgesehen vielleicht von der Mikrobiologie. Das muss jedoch nicht zwangsläufig so sein.   
Manchmal muss nur jemand anderes schauen. Und wenn dieser Jemand mit etwas anderen Augen aus einer etwas anderen Richtung schaut als die VertreterInnen der offiziellen Veterinärmedizin, sind erstaunliche Resultate möglich.

Eine Pionierin der Feldforschung

Wenn man in Zusammenhang mit muskoskeletaler Pathologie des Pferdes nach solch anderen Augen sucht, kommt man unweigerlich auf Sharon May-Davis. Nur wenige Menschen haben einen derart geschärften Blick für versteckte Krankheiten im Pferdekörper.


Sie genießt hohes Ansehen bei Sportreitern, da sie als Pferdetherapeutin Elitepferde in sieben Disziplinen, darunter Vielseitigkeit, Dressur, Springen und Distanzreiten, bis auf Olympia-Niveau begleitet hat. Dazu kommen ihre umfangreichen Erfahrungen im australischen und japanischen Rennsport.


 
Sharon, sitzend, September 2013
beim Biomechanikunterricht

Sharon ist zudem eine Expertin für Biomechanik und hält an Universitäten Vorlesungen  über Pferdeanatomie und  Behandlungsmöglichkeiten. Vor allem aber ist sie eine praktische Anatomin.  Viele Jahre lang führte sie privat Autopsien an Pferden durch, und nicht ohne Grund wird sie gerne die Knochenlady oder Spurensicherungsabteilung Pferdesport genannt. In 2-3tägigen Sezier-Workshops vermittelt sie Berufsreitern und Pferdebesitzern mehr darüber, wie ihre Pferde sich bewegen und welche Schädigungen auf Zucht, Krankheit, Verletzung, Ausbildung und Nutzung zurückzuführen sind.
 
Seit über zwanzig Jahren seziert sie für ihre privaten Forschungsarbeiten, seit 14 Jahren ist es ihr Beruf. Inzwischen kommt sie beruflich auf 15 Autopsien pro Jahr - was eine Gesamtsumme von etwa 300 Untersuchungen ergibt. Sharon ist die Erste, die von sich selbst sagt, dass sie weder Tierärztin ist noch über einen Doktortitel verfügt. Als praktizierende Pferdewissenschaftlerin, -forscherin und -fachfrau bietet sie jedoch eine unvergleichliche und schier unerschöpfliche Quelle von medizinischen Rohdaten.
 
Befunde vom Seziertisch

Vor einigen Jahren bemerkte Sharon einen ungewöhnlichen Bewegungsablauf in den Ellbogen von Pferden. Sie erwähnte dies gegenüber qualifizierten Fachleuten und bekam gesagt, diese Bewegungen seinen normal. Davon nicht überzeugt, begann sie, die Pferde, die auf ihrem Seziertisch landen sollten, zu filmen. Innerhalb kurzer Zeit war sie in der Lage, einen Zusammenhang herzustellen zwischen dieser Bewegung und pathologischen Veränderungen im Ellbogen.
 
Oberarmknochen, Elle und Speiche
mit Knorpelschäden
Auf den Punkt gebracht, handelt es sich um eine ungewöhnliche Degeneration im Ellbogengelenk, die alle drei Knochen betrifft. Es handelt sich um eine Art von Arthrose, die sowohl das Oberarm-Speichen-Gelenk als auch die Elle betrifft und tiefe, schwerwiegende Abnutzungen am Knorpel bis hin zu Knochenschäden zur Folge hat.

Im geöffneten Gelenk findet sich häufig Blut in der Gelenksflüssigkeit (Hämarthrose), deren Viskosität zudem ebenfalls beeinträchtigt ist.

Dies ist mehr als nur etwas ungewöhnlich, da allgemein davon ausgegangen wird, dass Arthrose im Ellbogen bei Pferden eher selten ist.

Und dennoch hat Sharon diesen Zustand bei zahlreichen Pferden vorgefunden, die aus völlig andern Gründen und ohne kausalen Zusammenhang vom Tierarzt eingeschläfert worden waren. Man bemerke: Das waren nicht nur ein paar Pferde, sondern viele.

Ellbogen-Arthrose zeigt sich beim lebenden Pferd im Bewegungsablauf

Die Verknüpfung der Informationen aus den Videos und den Autopsien ermöglichten es Sharon, Ellbogen-Arthrose bei den von ihr als Therapeutin behandelten Pferden zu identifizieren. Das Holpern im Ellbogen ist leicht zu erkennen, vor allem, wenn das Pferd bergab läuft. Bezeichnenderweise wird hier eher von einer Unregelmäßigkeit als von einer Lahmheit gesprochen.

 




Sieht das bekannt aus? Sehr wahrscheinlich hat jeder, der sich mit Pferden beschäftigt, das schon gesehen und sich gefragt, was das ist. Diese „Unregelmäßigkeit“ ist so häufig, dass viele denken, das sei normal. Ist es nicht. Es ist eine Form von Arthrose. Sharon erklärt, dass sie dieses Ellbogenproblem bei allen Rassen, Größen, Typen und Altersklassen vorgefunden hat. Einige der betroffenen Pferde waren hochkarätige Dressur- und Vielseitigkeitspferde. Interessanterweise tritt das Problem ausschließlich bei gerittenen und/oder gefahrenen Pferden auf. Pferde, die nie gearbeitet wurden, zeigen diese Veränderungen nicht – egal, wie alt sie sind.

Was soll die Aufregung, es ist halt einfach Arthrose … ?
 
Wie es aussehen sollte:
Gesunde Ellen- und Speichengelenkflächen
eines ungerittenen Pferdes
   Nein. Arthrose im Pferde-Ellbogen gilt in der Tiermedizin als selten. Dass sie als selten gilt und nicht oft diagnostiziert wird, könnte daran liegen, dass sie oft nicht mit offensichtlicher Lahmheit einhergeht. Die von Sharon identifizierte Arthritis verursacht keine charakteristische Lahmheit beim Pferd, obwohl mit der Doppelbewegung der Schulter beim Bergablaufen eine Veränderung im Gangbild zu erkennen ist.

Es gibt noch weitere Gründe dafür, dass die Symptome schlecht zu erkennen sind: zum Einen ist die Bewegung des Ellbogens stark mit der gesamten Schulteraktion verbunden, zum Anderen hat der massive Trizepsmuskel einen gelenkstabilisierenden Effekt.

Ellen- und Speichengelenkflächen
eines gerittenen Pferdes mit
Knorpelabnutzung und Blut im Gelenk
Die Reiter solcher Pferde fühlen oft eine Verzögerung oder ein „Loch“ in der Bewegung, ohne in der Lage zu sein, den Ursprung des Gefühls zu definieren.
 
Selbst wenn der Ellbogen untersucht wird, werden Degenerationserscheinungen in bildgebenden Verfahren selten sichtbar, da der Gelenkspalt verhältnismäßig eng ist. Akute Entzündungen zeigen sich auf  thermografische Aufnahmen.
 
Wenn, selten genug, das Problem erkannt wurde und Tierärzte versuchten, in das Gelenk zu spritzen (corticosteroid injection), wobei das Ellbogengelenk das am schwierigsten zu erreichende Gelenk ist, wurde Blut gefunden. An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob ich den Originaltext richtig verstanden habe. Wer es besser weiß, möge mir weiterhelfen.

Ein genauerer Blick auf Sharons Befunde

Erstmals stellte Sharon May-Davis einge ihrer Befunde zur Ellbogen-Arthrose im Februar 2013 auf einer Konferenz in Australien vor: bei den Bowker-Vorlesungen am Australian College of Equine Podiatherapy. Gemeinsam mit Prof. Robert Bowker and Dr. Bruce Nock und anderen, besprach sie den Bockhuf bei Pferden und hob hervor, dass die auf dem Seziertisch gefundene Ellbogendegeneration an der Vordergliedmaße mit dem steileren Huf ausgeprägter ist – auch wenn es sich noch nicht um einen Bockhuf handelt oder wenn in der Vergangenheit eine Operation zur Hufkorrektur stattgefunden hat.
 
Wie bereits erwähnt, hat sie nachgewiesen, dass das Problem bei jedem gearbeiteten Pferd auftreten kann. Hier beschreibt sie die Vorgänge mit eigenen Worten:
  • “Die Bewegung wirkt wie ein Abgleiten oder Schnappen in der Schulter oder ein Zittern oder eine Verschiebung. Es kommt auf die Perspektive an. Die Auffälligkeit findet im Übergang zwischen der ersten und der zweiten Hälfte der Stützbeinphase statt und ist bergab deutlicher.
  • “Bislang zeigen 100% der gerittenen Pferde bei den Autopsien den Befund in unterschiedlichem Grade. Ungerittene Pferde ohne Auffälligkeiten zeigen den Befund nicht. Gefahrene Pferde hingegen sehr wohl.
  • “Wie das Gelenk aussieht? Auf dem Seziertisch zeigen sich schwerwiegende Abnutzungserscheinungen am Knorpel von Oberarm, Elle und Speiche.
  • “Die meisten Pferde scheinen, solange sie nicht zu extremen Leistungen getrieben werden, damit klarzukommen und ein normales Leben zu führen. Obwohl sich das nach Karriereende anhört, ist es das nicht. Sobald das Pferd aus dem Gröbsten heraus ist, beruhigt sich das Gelenk und das Pferd kann weiterarbeiten.
  • “Springpferde neigen dazu, mit gestreckten Vorderbeinen zu landen. Springen und bergab laufen können den Zustand verschlechtern.
  • “Reiter fühlen oft eine Instabilität in der Vorhand beim Bergabreiten und manche bekommen Zweifel an der Körperwahrnehmung ihres Pferdes.
  • “Manuelle Therapeuten, die den Triceps massieren, verschlimmern damit das Problem, da die Massage die gipsartige Stabilisierung durch diesen Muskel löst.  
Oberarmknochen und Speiche
mit Abnutzungserscheinungen
Obwohl sie in Zusammenhang mit diesem Thema eine große Zahl von Befunden (ohne Hilfe und Unterstützung) geliefert und dokumentiert hat, ist sie mit ihren Versuchen, die Informationen an die zuständigen Autoritäten weiterzugeben, bislang regelmäßig vor die Wand gelaufen.

Warum? Es liegt nicht daran, dass sie unbekannt ist, sie hat bislang mehrere Forschungsarbeiten veröffentlicht, auch im Australian Veterinary Journal. (www.thehorsesback.com)

Sie ist nicht auf der Suche nach fianzieller Unterstützung (obwohl sie sicher nicht ablehnen würde), wünscht sich aber weitere Forschung zum Wohle aller gerittenen und gefahrenen Pferde. Je früher das Problem erkannt und untersucht wird, je früher die schmerzhaften Phasen bemerkt werden, um so früher kann den Pferden durch Ruhepausen und Behandlung Erleichterung verschafft werden.
Und je früher wir alle mehr lernen können in unserem großen Bestreben, die Gesundheit der Pferde zu erhalten und zu verbessern, um so besser. Wie Sharon sagt:
“In truth, we are still in the dark. Seeing it is one thing, analyzing it and providing a preventative program is something totally different."
More Information

Sharon May-Davis, B. App. Sc. (Equine), M. App. Sc. (Ag and Rural), ACHM, EBW, EMR (sorry, da warte ich mit der Übersetzung auf jemanden, der sich mit akademischen Graduierungen auskennt)
war Therapeutin der Modern Pentathlon Horses und des Australian Reining Teams bei den olympischen Spielen 2000 in Sidney. Sie hat mit den australischen Champions aus sieben verschiedenen Disziplinen gearbeitet und hat ein besonderes Interesse an der Erforschung des muskul oskeletalen Systems.  he has worked with the Australian Champions from seven differing disciplines and has a particular interest in researching the musculoskeletal system. Sie vermittelt ihr Wissen in Kliniken und Seminaren und hält regelmäßig Vorträge sowohl auf der südlichen als auch auf der nördlichen Halbkugel.

 Mehr über Sharons Arbeit und ihre Herangehensweise findet sich, für die, die englisch verstehen, in diesem Interview: Skeletons from the Bone Lady’s Closet.

© Alle Rechte bei der Autorin, Jane Clothier, www.thehorsesback.com. Keine unauthorisierte Vervielfältigung oder Nutzung, auch nicht in Teilen. Verlinkung ist gestattet. Please contact jane@thehorsesback.com for more information. Thank you!
 
 
 
Bewegungsanalyse zur Ellbogenarthrose  von Maren Diehl
 
„In truth, we are still in the dark. Seeing it is one thing, analyzing it and providing a preventative program is something totally different.“

"In Wahrheit tappen wir noch im Dunkeln. Etwas zu sehen, ist das Eine, es zu analysieren und ein Präventionsprogramm zu erarbeiten, ist etwas völlig anderes."
Sharon May-Davis, Australien

Am anderen Ende der Welt habe ich mich von einer anderen Seite an das Problem herangearbeitet, indem ich mich praktisch mit "Lebendiger Biomechanik" befasst und erkannt habe, dass kaum ein Pferd physiologisch sinnvoll trägt. Daher war bis Mitte letzten Jahres bei mir noch die Trageerschöpfung das große Thema. Nahezu alle mir bekannten Pferde - darunter auch einige Berühmtheiten - zeigen Symptome der Trageerschöpfung in unterschiedlichster Ausprägung. Eine Bewegungsauffälligkeit, die alle Pferde zeigen, ist für die meisten Menschen leider normal (Millionen Fliegen können sich nicht irren). Daher bin ich zwar nicht froh über die Ergebnisse von Sharon May-Davis´ Forschungsarbeit, die finde ich eher erschreckend. Aber ich bin froh, dass die gefundenen offensichtlichen pathologischen Veränderungen in den Ellbogen gearbeiteter Pferde meine Wahrnehmung bestätigen (... man kommt sich ja schon irgendwann blöd vor, so allein auf weiter Flur ...).

Die meisten Pferde werden nur so lange longiert bis sie gefügig genug sind, einen Reiter auf ihrem Rücken zu dulden (was bis zu der Behauptung führt, man müsse ein Pferd reiten, bevor es zuviel Kraft hat, sich zu wehren). Die Pferde erhalten weder die Zeit noch die Möglichkeit zu lernen, ihr eigenes Gewicht sinnvoll zu tragen, vom zusätzlichen Gewicht eines mehr oder weniger ausbalancierten Hilfengebers ganz zu schweigen. Auch in den verschiedenen Bodenarbeitskonzepten lernen die Pferde meistens nur, eine Form einzunehmen und ihre Schubkraft "wegzumachen" anstatt sie durch ganzheitliches Bewegungstraining nutzen zu lernen. Durch Überlastung von Anfang an können die Pferde einen Reiter nur tragen, indem sie die Brust- und Rumpfmuskulatur anspannen und festhalten. Dadurch verschieben sich die Arbeitsphasen innerhalb der Stützbeinphasen.

Um schnell auf den Punkt zu kommen, sei hier kurz erklärt, wie das Pferd auf das Gewicht reagieren sollte: Die Vorderbeine, inklusive Schulterblatt und Rumpfhebern, erhöhen bereits im Vorfühlen zum Boden hin die Dehnungsvorspannung und schaffen so den Federweg in der ersten Hälfte der Stützbeinphase. Die thorakale Muskel- und Faszienschlinge ist ein sehr belastbares Gewebe, das stärker, dicker und dehnbarer wird, wenn es richtig trainiert wird. Und das bedeutet, dass das Gewicht sofort nach dem Auffußen nach kontrolliert wird, noch bevor das Vorderbein in die Senkrechte kommt. In dieser exzentrischen Bewegung arbeiten alle Gelenke der Vorhand in idealen Winkeln, die eine verschleißfreie Bewegung zulassen.
Das optimal arbeitende Vorderbein wartet auf den Schub der Hinterhand, die in der ersten Hälfte der Stützbeinphase durch das Gewicht leicht gebeugt wird - was die faszialen Strukturen auflädt. In der zweiten Hälfte der Stützbeinphase darf sich die Faszie wieder entladen und schiebt dadurch das Gewicht nach vorne. Das tut der Vorhand nichts! Je besser trainiert die Vorhand ist, um so stärker muss die Hinterhand bergauf arbeiten, selbst wenn der Weg bergab führt. Das wiederum trainiert die Hinterhand optimal, die so die Arbeit machen kann, für die sie gebaut ist, anstatt sich unter eine zusammengesackte Vorhand zu schieben, um diese zu entlasten.

Ein sehr interessanter Aspekt ist, dass die traditionellen Hufwinkel - 45-50° für die Vorderhufe und 50-55° für die Hinterhufe - genau so auch Sinn machen, wenn die Arbeitsphasen innerhalb der Stützbeinphasen stattfinden, wie oben beschrieben. Kann das Pferd so nicht arbeiten, versucht die Vorhand das Gewicht in der zweiten Hälfte der Stützbeinphase zu ziehen, während die Hinterhand in der ersten Hälfte der Stützbeinphase bremst. Dadurch werden alle Gelenke ungünstig belastet, sowohl die der Vorhand als auch die der Hinterhand (Buggelenk, Ellbogen, Fessel - auch das Fesselringbandsyndrom entsteht so). Für solche Pferde mag es vorübergehend eine Erleichterung sein, wenn die Vorderhufe steiler gestellt werden, aber diese Art der Hufbearbeitung führt dazu, dass das Problem sich weiter manifestiert. Übrigens gibt es sehr, sehr viele Pferde, bei denen die Hinterhufe flacher sind als die Vorderhufe. Das liegt nicht an den Hufpflegern und Hufschmieden, denn die beschlagen oder bearbeiten so, wie der Huf fußt. Wie er fußt, ist eine Folge des Trainings.
 
Um ein Pferd in seine Kraft zu bringen braucht es Zeit, vor allem auch Trainingszeit ohne Reiter, eine gute Kenntnis von Biomechanik in Bewegung und nicht zuletzt gute Nerven, denn wir alle neigen zum bremsen - nennen es allerdings Kontrolle oder Versammlung.
 

Kommentare:

Kerstin hat gesagt…

Irgendwie hatte ich so eine Ahnung, dass es neben der Trageerschöpfung noch ein großes, grundsätzliches Problem beim Reiten gibt. Bedeutet die Ellenbogenarthrose jetzt ein unwiderrufliches Reitverbot? Was kann man tun, ständig Teufelskralle oder ähnliches füttern, in der Hoffnung, dass der angerichtete Schaden minimiert wird? Wie gehst Du damit um, Maren, wo Du Dich doch gerade erst wieder für das Reiten entschieden hast, bzw. Deinen Weg gefunden hast? Grüße, Kerstin

M.aren hat gesagt…

Hab ich doch geschrieben: Ich schule die Pferde so, dass die Arbeitsphasen innerhalb der Stützbeinphasen stimmen und dadurch die Gelenke der Vorhand die größte Belastung in den Winkeln haben, in denen sie physiologisch sinnvoll arbeiten können. Was in den meisten Reitweisen eben nicht passiert...

Kerstin hat gesagt…

Hört sich gut an, aber wie bekommt man das für sein eigenes Pferd hin?

Sandra Kaiser hat gesagt…

Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Hat jemand Erfahrungen mit Vetvital Viequo Orthohyl bei Arthritis machen können. Es ist auch eher vorbeugend gemeint.

M.aren hat gesagt…

Hab die Frage mal auf Facebook gepostet. :)