Mittwoch, 10. April 2019

„Wenn du dir wünschst, wirklich was loszutreten...

Bei uns hat das geklappt!“


Ja, das wünsche ich mir wirklich! Und nach den letzten beiden Seminaren habe ich nicht nur besonders schöne Rückmeldungen bekommen, sondern gleichzeitig das Gefühl, ein echtes Verständnis für die Zusammenhänge wecken zu können. Bewegungsvorstellungen, die Kraftrichtungen im Pferdekörper in den verschiedenen Gangarten, die Fußung und die sich daraus ergebende Hufform sowie Reitersitz und Pferdepsyche – es war jedesmal eine große Themenvielfalt und doch ließ sich alles so zusammenbringen, dass Reiterinnen und Pferde individuelle schöne Aha-Erlebnisse hatten während die zugrundeliegenden Prinzipien dennoch klar blieben und nicht relativiert werden mussten.

Die Kraftrichtungen


Sehr schön fand ich Natalies Kommentar zu den Kraftphasen und den pathogenen Mustern, die aus ihrer Verschiebung entstehen: „Ein bisschen schwanger gibt es nicht“. :)
Man kann nicht nur ein bißchen das LSG in der Kraftphase der Hinterhand geöffnet lassen und auch nicht nur ein bißchen die Vorhand ziehen lassen, ohne sich in pathogene Muster zu begeben. Es gibt einen Punkt, an dem die Kraftrichtung wechselt, und ab dort gilt ein anderes Bewegungsprinzip. Da gibt es kein Sowohl-als-auch. Super, wenn die Teilnehmerinnen das selbst feststellen und formulieren können. Dann weiß ich: Da ist was angekommen!
 

Die Fußung und die Hufform


Eine andere Teilnehmerin stellte fest, dass es etwas mit ihrer Bewegungsvorstellung zu tun haben könnte, wenn vier von ihr gerittene Pferde mit vier unterschiedlichen HufpflegerInnen die gleiche Hufform (laufen über den großen Onkel) zeigen.

Die Auswirkung der Phasenverschiebungen auf Hufform und Hufmechanik und andersherum der Einfluss der Hufbearbeitung auf die Bewegungsmuster wird für mich immer klarer. Wenn der/die Hufbearbeiter*in nicht mehr kämpfen muss, um die richtigen Türen offen zu halten, ist alles auf dem guten Weg. Bei einer zum zweiten Mal teilnehmenden Lusitanostute war gut zu sehen, wie die Veränderung im Gang durch die Absicht, die Schubkraft zu integrieren, bei den Vorderfüßen von der Zehenfußung zur moderaten Trachtenfußung führte.
 

Die Tempi

 
Die Arbeit mit den unterschiedlichen Trabtempi führte immer wieder zu sehr offensichtlichen Veränderungen. Pferde mit verschobenen Bewegungsphasen ließen sich durch die Wahl eines anderen Tempos und vor allem durch Übergänge zwischen den Tempi und Gangarten aus ihren Gewohnheiten holen.

Die Veränderung in der Fußung, die Synchronisierung im diagonalen Beinpaar, die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Vorder- und Hintergliedmaßen durch das veränderte Timing der Kraft- bzw. Entladungsphasen, die Aktivierung der Kernstrukturen – Übergänge schaffen Trainingsreize!
 

Trainingsreize

 
Ein Reiz bedeutet die Störung der Gewohnheit und der Bequemlichkeit. Ein Reiz, der keine Veränderung im gesamten System hervorruft, ist keiner. Deshalb kann ein Trainingsreiz auch mal ärgerlich sein, stören oder das bisher Erreichte durcheinanderbringen:

„Tatsächlich wird (…) gerade nicht schöner, aber irgendwie kompetenter, und da wir gefühlt schon alles durch haben, ohne Kompetenz zu erlangen...“
 

Die Biotensegrität

 
Je mehr Teilnehmerinnen mein zweites Buch „Jenseits der Biomechanik – Biotensegrity“ gelesen oder bereits an einem Seminar zu dem Thema teilgenommen haben, um so kreativer und gleichzeitig selbstverständlicher wird die Zusammenarbeit! Das Gleiche gilt für die Definition des Faszienkörpers als Bewegungs- und Wahrnehmungsorgans aus meinem ersten Buch „Die Pferde sind nicht das Problem“. Die inneren Widerstände gegen das Neue sind dann bereits abgearbeitet und der Weg frei für neue Ideen. Es kommen weiterführende Fragen auf und es öffnen sich neue Wege.
 

Die LSG-These

 
Und dann war da noch das Seminar, bei dem es im ganzen Kurs kein chronisch offenes LSG gab. Dort wird schon seit einiger Zeit nach den von mir beschriebenen Bewegungsprinzipien gearbeitet und das Ergebnis hat mich überzeugt.
😊
 

Die Bücher

 
Der Preis für das am schönsten bearbeitete, ausgemalte, getextmarkerte und mit eigenen Fragen, Zeichnungen und Erkenntnissen ergänzte Buch geht ganz klar an Eva!
 

Die Gruppenhydraulik


Ich liebe es, mit Gruppen zu arbeiten, in denen der gemeisame Prozess gewürdigt wird, in denen alle sich trauen, Fragen zu stellen und die Beantwortung dieser Fragen allen weiterhilft. In denen die wertfreie Betrachtung der individuellen Bewegungsmuster und ihrer Veränderungen alle Teilnehmer*innen weiterbringt. Vielen Dank daher auch an Christine für ihre Amerkung, ihr sei positiv aufgefallen, dass alle Teilnehmerinnen gleichermaßen meinen vollen Einsatz erfahren durften und zu ihrem Recht kamen, ohne dass jemand zum Star oder zum Deppen gemacht wurde.

Und dann war da noch Polly:

 
Die Dame hat für überraschende Erkenntnisse zum Thema Biotensegrität und Gebrauchshaltung in den Bereichen Hals, Genick und Schädel gesorgt. Obwohl die Halswirbel nicht zum Schädel gehören, wie sich nach dem Auseinanderschrauben gezeigt hat. Nichtsdestotrotz: Danke, Polly!
 

 

Zum Schluss


Es kam während der Seminare öfter die Bemerkung, es bräuchte eine neue Reitweise. Meiner Meinung nach brauchen wir eher Veränderungen in allen Reitweisen, weg von den Extremen und hin zu mehr Gebrauchshaltung. Wir brauchen ein Bewusstsein für pathogene Bewegungsmuster und den Ausschluss von Turnieren und Prüfungen für Pferde, die diese Muster zeigen.

Mit dem im Rahmen der Gebrauchshaltungskonferenz 2018 erzielten Konsens haben wir einen guten ersten Schritt getan, und ich freue mich über Anfragen für Vorträge und Seminare zum Konsens!


Mein Nugget:   
„Die Leute, von denen ich am wenigsten geglaubt habe, dass sie sich einlassen (…), die nehmen das und spielen damit und es funkt wie verrückt.“
 
 

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