Mittwoch, 4. Mai 2016

Pferdegeflüster

Dank an Kerstin für das schöne Foto! Es ist nicht so einfach, zu übersetzen was das Pferd sagt. Was es möchte, ist vielleicht nicht das, was es braucht und was es braucht ist nicht immer machbar.

 
Aber ein wesentlicher Punkt kam für mich ganz klar heraus: Das Pferd möchte im Moment wahrgenommen werden, so, wie es sich gerade zeigt. Nicht als Krankenakte, als Symptomsammlung oder Krisengebiet. Über die gesundheitlichen Probleme muss man sich natürlich Gedanken machen, aber bitte nicht bei der Arbeit mit dem Pferd. Hier darf man zwar die Grenzen des Empfehlenswerten im Hinterkopf behalten, um gegebenenfalls eine ungünstige Versuchsreihe des Pferdes abzubrechen. Aber das Pferd möchte nicht als Patient gesehen werden, sondern als ein Lebewesen, das sich durch seine Bewegung ausdrückt und als Energie im Prozess seinen Weg sucht.
 
Das ist nicht immer einfach. Aushaltende Hilfengebung bedeutet in diesem Fall, dass man das Geschehen aushalten muss, damit Veränderung möglich wird. Pferde arbeiten Stress und Traumata durch Bewegung ab. Wenn sie wissen, dass sie das dürfen, agieren sie auch nicht mehr explosiv. Sie haben dann ein zuverlässiges Ventil gefunden. Diese Übung ist für uns Menschen sehr schwer, weil der Film im Kopf noch schneller läuft als das Pferd. Wir müssen einen neuen Film gestalten, in dem das körperliche Ausagieren zwar mit Kraft, aber nicht mit hektischem Gerenne verbunden ist.  ;)
 
Sehr schön fand ich, dass mehrere Seminarteilnehmerinnen die Idee von der Eigenverantwortung des Pferdes faszinierend und erleichternd fanden. Ich hoffe auf Berichte!
 
Foto (c) Kerstin Jaud

1 Kommentar:

Katja Eser hat gesagt…

Hallo Maren, vielen Dank für die neuen Fakten, Verknüpfungen und Blickwinkel, die ich durch dein Seminar erlangen und erleben konnte. Was ich schon seit längerer Zeit geahnt und mit meinen Pferden umgesetzt habe - die Selbstwahrnehmung und die Eigenverantwortung - konnte ich dadurch nochmals weiter hinterfragen und neu betrachten, nicht nur im Gefühl, sondern auch bzgl. der ganz handfesten Anatomie. Seit 3 Tagen nun arbeite ich meine 3 Stütchen und meine Pferdepatienten in äußerlich kaum veränderter Weise wie bisher, aber mit anderen Bildern in unseren Köpfen, mit anderen Energien um unseren einen Körper, und es ist enorm, die Entwicklung in der Selbsthaltung, dem inneren Stolz und der schieren Lust an der Bewegung zu beobachten. Nochmals ganz herzlichen Dank dafür! Katja