Sonntag, 27. März 2016

Rezension Nummer Zwei

Angefangen zu lesen ... und erst auf Seite 153* wieder aufgehört, um diese Zeilen zu schreiben.

Ein inhaltlich ganz herausragendes Buch für die Reiter- und Pferdewelt,

weil Maren Diehl ein neues Erklärungsmodell für bewegte (biologische) Körper einführt und den Leser auf diesem Weg mit den notwendigen Grundlagen vertraut macht: Man schaut mit der Autorin auf die Erkenntnisse der aktuellen Faszienforschung zu Pferden, folgt ihr über die Konsequenzen für unser anatomisches Verständnis zur „Bewegten Anatomie“ und landet schließlich mit ihr zusammen bei Biotensegrity. Sie begründet keine neue Reitweise, nein, sie setzt vorher an und liefert die theoretischen Grundlagen für ein neues Bewegungsverständnis von Pferd und Reiter: Ein Fundament, mit dem „gesunde Bewegung“ begründet und anhand dessen pathogene Bewegungsmuster dingfest gemacht werden können.

Faszinierend ist das Buch,

 weil die Autorin das übergeordnete System der Organisation von Faszien, Gehirn und Gesellschaft erkannt hat: das Prinzip der Selbstorganisation des Lebens. So, wie das neuronale Netzwerk Gehirn neue Verbindungen schafft, wo Probleme zu lösen sind, so zieht das Netzwerk Faszienkörper als intelligente biologische Struktur ebenso seine Fäden in Erkenntnis der eigenen Umwelt. Warum das wichtig ist? Weil es einen Unterschied macht ob ich mich auf ein totes oder ein lebendes Pferd setze. Nicht nur das Gehirn, der ganze Körper entwickelt sich in Abhängigkeit von seiner Nutzung bzw. seiner Kopplung an die Umwelt.

Potenzialerweiternd ist das Buch,

weil es den Leser aufruft, für sich und sein Pferd einen eigenen „Raum der Möglichkeiten“ zu schaffen: einen sicheren Raum für gemeinsames Wachstum und Entfaltung von Mensch und Pferd, der frei ist von Bewertung, Erfolgszwang und äußeren Vorgaben.
Und dies ist schließlich auch der Raum, wo zwei getrennte tensegrale Strukturen, der Reiter und das Pferd zu einer tensegralen Einheit finden.

Kurzweilig ist das Buch,

weil man häppchenweise tiefer in die Materie eindringt; kein Kapitel ist zu lang; und immer sagen einem schöne Bilder, wann das nächste Häppchen kommt.

Fazit: Inhaltlich herausragend, faszinierend, weil vom Pferd her gedacht wird und weil modernste Erkenntnisse der Wissenschaft von Biotensegrity, der Gehirnforschung und der Systemtheorie zur Basis reiterlicher Ausbildung werden.

Christof Rörig-Weisbrod, den 26.3.2016

Vorsitzender von Falada e.V. und Testleser. Musste das letzte Kapitel nicht lesen, weil er bereits an einem Seminar über Biotensegrity teilgenommen und dort Modelle in der Hand hatte.


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