Montag, 30. März 2015

FaszienTraining oder FaszienBehandlung?

 
Wo liegt der Unterschied? In der Mainstreamliteratur und in den meisten Zeitschriften werden diese beiden Begriffe munter gleichgesetzt. Es kann nicht schaden, etwas genauer hinzusehen:
 
Faszienbehandlung
 
ist eine sinnvolle Maßnahme, um Faszienbereiche, die nach Verletzungen und Operationen oder durch Fehlbelastung und Überlastung etc. verklebt und geschädigt sind, zu lösen und zu reaktivieren. Es wird etwas mit der Faszie gemacht, sie wird geknetet, gedehnt, gedrückt, verschoben. Mal mit irgendwelchen Gerätschaften, mal von Hand. Es gibt Fachleute dafür, die etwas davon verstehen und alles wieder in Ordnung bringen. Vielleicht zeigen sie einem sogar, wie man das Pferd oder den eigenen Körper mit diesen Methoden selbst behandeln kann. Das ist wichtig und hilfreich, aber eines ist es sicher nicht:
 
Faszientraining

Um ein gutes Faszientraining zu gestalten, braucht es vor allem Eigeninitiative, Eigenverantwortung und etwas Zeit, um sich damit zu beschäftigen, worum es überhaupt geht. Faszientraining erkennt man daran, dass man keinerlei Hilfsmittel und Geräte benötigt, dass der Körper selbst aktiv wird, dass es keine festen Übungen und Übungsabfolgen gibt (leider auch keinen „Plan“) und zu guterletzt daran, dass der Körper sehr bald keine Faszienbehandlung mehr benötigt.

Faszientraining ist eine Lebenseinstellung, etwas, das ständig stattfindet, sobald der Körper herausgefunden hat, was er kann und braucht.

Der Faszienkörper, sprich: das gesamte Bindegewebe einschließlich aller Sehnen und Bänder ist (nicht nur, aber in diesem Zusammenhang) vor allem ein Bewegungsorgan und ein Sinnesorgan. Er ist das größte Organ und in seiner Ganzheit für Bewegung, Körperwahrnehmung, Orientierung im Raum, körperliches Befinden und physische Interaktionen zuständig. Dieses Organ ist anspruchsvoll und möchte sich erleben und seine Fähigkeiten erproben und erweitern. Zwei Drittel aller Nerven im Bindegewebe des Bewegungsapparates sind als sensorische Nerven für die (Selbst-)Wahrnehmung zuständig, nur etwa ein Drittel für motorische Steuerung. Der Faszienkörper verändert sich mit den Anforderungen, die an ihn gestellt werden, und die Vernetzung des Fasziengewebes sowie die Art der Kraftübertragung über die Gelenke ist individuell unterschiedlich.

Der Faszienkörper lebt durch Bewegung, benötigt aber ein völlig anderes Training als das konventionelle Muskeltraining. Vor allem benötigt er eine andere Bewegungsidee.

Der Faszienkörper ist kein Patient!

Zumindest möchte er nicht so behandelt werden. Ohne Anregung und Herausforderungen, ohne Kreativität und Eigenmacht, ohne Widerstand und Resonanz, verblödet dieses hochkomplexe faszinierende Organ, bis zu dem Punkt, dass kleinste Fehlbelastungen und Stolperer sofort zu Schmerz und Verletzungen führen. Es geht nicht darum, sich so zu bewegen, dass man ja nie stolpert, sondern darum, heil und um eine Erfahrung reicher aus schwierigen Bewegungssituationen herauszukommen.

Faszientraining, wenn man es einmal verstanden hat, ist absolut einfach und kostengünstig. Man muss nur aus dem Quark kommen, anstatt die Verantwortung an Tierärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen und Heilpraktiker abzugeben. Diese Berufsstände werden dadurch bestimmt nicht arbeitslos (mir sind keine TierärztInnen bekannt, die nicht bis über beide Ohren in Arbeit stecken), aber mit Sicherheit wird auch deren Arbeit weniger frustrierend, wenn mehr PferdebesitzerInnen sich mit Faszientraining befassen.

Für Pferde und Pferdemenschen gewinnt die gemeinsame Arbeit ebenfalls, denn mit dem Faszienkörper will vor allem die Selbstwahrnehmung und die gegenseitige Wahrnehmung trainiert werden. Diese Wahrnehmung gehört immer ins „Jetzt“, in dem die Pferde ohnehin leben. Es kann kein Fehler sein, sich zum Pferd in das gemeinsame „Jetzt“ zu gesellen...
 

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