Samstag, 7. Juni 2014

Zusammenhänge

"Hallo Maren,
Es besteht also ein Zusammenhang zwischen vorhandenen oder nicht vorhandenen Muskeln bzw. Dehnungshaltung und Schreckhaftigkeit?  Dann bin ich jetzt mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt… (Wäre das nicht ein prima Thema für einen neuen Blogeintrag? Soweit ich weiß kam das bislang nirgends zur Sprache… ;-) ..."

Jep, da gibt es einen Zusammenhang. Ein Pferd, das auf eine vortreibende Hilfe hin in eine aktive Dehnungshaltung geht und trägt (letzteres ist seine Hauptaufgabe!), ist psychisch wie physisch grundsätzlich wesentlich belastbarer als ein Pferd, das nur durch "Entspannung" in eine Art Dehnungshaltung kommt und bei der ersten Störung den Kopf wieder in den Wolken hat. Letzteres entwickelt in der Dehnungshaltung keine brauchbare Muskulatur, die ihm Selbstsicherheit und das Gefühl von Bewegungskompetenz vermitteln kann. Pferde hingegen, die zu stark zusammengestellt und auf Gehorsam getrimmt werden, reagieren so lange auf die Hilfen, bis der äußere Reiz stärker wird als der mit der Hilfengebung erzeugte und sind dann meistens nicht mehr kontrollierbar.
Eine echte, aktive Dehnungshaltung und motorische Kompetenz und Körperintelligenz entwickeln sich gemeinsam und geben dem Pferd die nötige Sicherheit, mit unerwarteten Situationen klarzukommen. Diese Pferde brauchen keinen Reiter, um ihren Körper zu kontrollieren. Sie können das selbst und tragen auch in kritischen Situationen, anstatt unter ihrem Reiter zusammenzuklappen.
Bei richtigem Training ist die aktive Dehnungshaltung die Reaktion auf einen vortreibenden Impuls. Egal ob monsterbedingt oder vom Reiter gegeben. Dehnungshaltung bedeutet: Rübe auf normale Höhe, was für die Biochemie bedeutet: Adrenalinausschüttung stoppen. In der klassischen Schreckhaltung (Kopf hoch, Rücken weg) sind alle Systeme auf Flucht eingestellt, und das Pferd nimmt nicht mal mehr Rücksicht auf seine eigene Gesundheit, geschweige denn auf die Sicherheit des Reiters.

So gut wie alle Pferde, mit denen ich arbeite, sind richtig cool und selbstbewusst geworden, vor allem die echten Angsthasen. Wenn doch mal einer rumspinnt, dann meistens ohne Reiter und um etwas zu üben (manchmal brauche ich etwas länger, um zu verstehen, was da gerade geübt wird). Bestes Beispiel dafür war Effekt in dieser Woche an der Longe. Zwei Cavaletti als "In-Out" auf einer Seite des Zirkels. Effekt gast buckelnd und bockend los, mit Caracho auf die Cavaletti zu. Kann eigentlich nicht gut gehen. Kurz vor den Cavaletti jedoch schaltet er auf "konzentriertes Reitpferd" um, nimmt Maß, springt völlig gelassen und sauber die Kombination - um einen Galoppsprung später wieder zu buckeln, zu fetzen und zu bocken. Das Ganze hat er mehrere Runden lang geübt und war danach sehr zufrieden mit sich. Offensichtlich hat er Umschalten geübt. Ich habe so lange Nicht-reinquatschen geübt.

Keine Kommentare: